Wie Goldman Sachs die globalen Finanzmärkte prägte
Wenn an der Wall Street etwas Grosses passiert, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs in irgendeiner Form ihre Finger im Spiel hat. Kaum eine andere Investmentbank verfügt über ein ähnlich hochkarätiges und weitverbreitetes Netzwerk. Ein Blick hinter die Kulissen und auf die Aktie.
Von einer Handelsbank zu einer der mächtigsten Investmentbanken der Welt
Bereits 1848 – im Jahr der europäischen Revolution – wanderte ein Mann namens Markus Goldman mit einem Traum in die USA, das Land der „unbegrenzten“ Möglichkeiten, aus. 1869 mietete sich eben jener Mann in der Pine Street (New York City), einer Parallelstraße zur Wall Street, in ein kleines Bürogebäude ein. Das Namensschild draußen an der Tür lautete auf „Marcus Goldman & Co“ und ließ nicht in Ansätzen erahnen, welchen enormen Erfolg das später daraus geformte Unternehmen in der internationalen Finanzwelt einmal haben würde.
Markus Goldman war als Broker tätig und handelte mit Schuldscheinen von Tabak- und Diamantenhändlern (Süddeutsche Zeitung, 11.01.19). Dabei erkannte der geschäftstüchtige Goldman eine Marktlücke: Viele kleinere und mittlere Unternehmen benötigten kurzfristige Finanzierungen, hatten aber keinen Zugang zu etablierten Banken. Zu dieser Zeit expandierte die US-Wirtschaft rasant aufgrund der Industrialisierung, des Eisenbahnbaus sowie wachsender Handelsströme. Entsprechend hoch war die Nachfrage nach den sogenannten „Commercial Papers“ (kurzfristigen Schuldtiteln) der Unternehmen. Goldman kaufte die Schuldscheine mit einem Abschlag auf und verkaufte sie an Investoren weiter. Damit legte er den Grundstein für das heutige Investmentbanking.
Aufgrund des geschäftlichen Erfolgs trat 1882 Goldmans Schwiegersohn Samuel Sachs in das Unternehmen ein, woraufhin die Firma 1896 zu „Goldman, Sachs & Co.“ umfirmierte (Süddeutsche Zeitung, 11.01.19). Im Zuge dessen entwickelte sich die institutionelle Struktur von Goldman Sachs weiter, und die bessere Vernetzung ermöglichte gleichzeitig den Zugang zu größeren und prestigeträchtigeren Mandanten. Das Unternehmen begann zudem, Börsengänge zu begleiten, was den entscheidenden Schritt vom Händler zum Emissionshaus markierte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Goldman Sachs bereits einer der größten Commercial-Paper-Händler der USA und stark in der Finanzierung wachsender Industrien tätig sowie eng mit der Entwicklung des amerikanischen Kapitalmarkts verflochten. Der Börsengang von „Sears, Roebuck & Co.“ im Jahr 1906 markierte einen Meilenstein und katapultierte die Firma in die erste Liga der Investmentbanken. 2019, rund 150 Jahre später, nachdem Markus Goldman in New York angekommen war, gehört Goldman Jahr für Jahr in den League Tables zu den größten und erfolgreichsten Investmentbanken der Welt (Financial Times, 31.12.25).
Die «Goldman-DNA»
Was Marcus Goldman auszeichnete, prägt die Firmenkultur bei Goldman Sachs bis heute: Der unternehmerische Pragmatismus, gepaart mit einer starken Netzwerkorientierung, legte den Grundstein für die Ausrichtung der Bank. Schon früh setzte Goldman auf die Kapitalmärkte und entwickelte ein Partnerschaftsmodell, das eine leistungsorientierte Kultur und Eigenverantwortung verband. Diese Struktur als Partnerschaft blieb über ein Jahrhundert erhalten und formte die berüchtigte interne „elitäre Kultur“ von Goldman Sachs, die noch immer das Denken, Handeln und die bis heute bestehenden Entscheidungswege der Bank prägt.
Goldman Sachs operierte mehr als ein Jahrhundert lang als Partnerschaft, wie sie Marcus Goldman und später Samuel Sachs etabliert hatten. In diesem Modell waren die Seniorpartner Eigentümer der Firma, trugen persönlich Verantwortung für Gewinne und Verluste und trafen strategische Entscheidungen intern. Dieses System förderte Leistungsorientierung und Netzwerkbildung, da der Erfolg direkt an die Beteiligung der Partner gekoppelt war.
Mit dem Wachstum der Bank und der zunehmenden Komplexität der globalen Finanzmärkte stießen die Partner jedoch an Grenzen: Das Kapital für Expansion und größere Deals war teilweise begrenzt und externe Investoren konnten nur schwer eingebunden werden. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und neue Mittel zu mobilisieren, entschied sich Goldman Sachs, 1999 den Schritt an die Börse zu wagen. Mit dem Initial Public Offering (IPO) wurde die Bank erstmals öffentlich an der Börse handelbar, erhielt frisches Eigenkapital und konnte gleichzeitig die Expansion in neue Geschäftsfelder finanzieren.
Trotz der Börsennotierung blieb die kulturelle DNA der Partnerschaft erhalten. Das Management behielt eine starke Kontrolle über strategische Entscheidungen und leistungsorientierte Anreizsysteme für Führungskräfte wurden beibehalten. Die Umwandlung markierte somit weniger einen Bruch als eine Evolution, die Goldman Sachs erlaubte, in einer zunehmend globalisierten Finanzwelt wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne die Wurzeln der eigenen Unternehmenskultur aufzugeben.
Aktuelle Entwicklungen
Goldman Sachs hat in den letzten Jahren und Monaten eine bemerkenswerte Entwicklung gezeigt. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete die Bank starke Ergebnisse, insbesondere in den Bereichen Investment Banking und Global Markets, und kündigte zugleich eine Anhebung der Dividende an, was das Vertrauen in die Stabilität der Erträge unterstreicht. Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn belief sich auf 4,4 Milliarden US-Dollar und lag 12 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Gesamtjahr 2025 erhöhte sich der Gewinn um mehr als 20 Prozent auf 16,3 Milliarden US-Dollar. Die Gesamterträge stiegen im gleichen Zeitraum um neun Prozent auf 58,3 Milliarden US-Dollar. Im Handelsgeschäft erzielte Goldman ein Plus von rund 25 Prozent mit 4,31 Milliarden US-Dollar – keine andere US-Bank verdiente je mehr in einem Quartal (Der Aktionär, 15.01.26). Das Unternehmen konnte seine Position als führender Anbieter im Investment Banking festigen und erzielte stabile Erträge bei Advisory-, Underwriting- und Kapitalmarktgeschäften. Auch im Asset Management zeigt Goldman Sachs im Vergleich zu Wettbewerbern relative Stabilität, wobei Rückflüsse im Private-Credit-Bereich moderat blieben.
Anfang des Jahres 2026 erreichte die Aktie ein Allzeithoch von rund 961 US-Dollar, getragen von der soliden operativen Performance und einer positiven Stimmung am Markt (Barron’s, 27.02.26). Der Blick auf die Aktie zeigt für das Geschäftsjahr 2025 eine deutlich überdurchschnittliche Performance im Vergleich zu breiteren Aktienindizes, mit einer Ein-Jahres-Rendite von rund 40 Prozent (Yahoo Finance, 03.03.26).
Gleichzeitig gab es kurzfristige Herausforderungen. Die Aktie zeigte zwischenzeitlich stärkere Schwankungen, und einige leitende Manager wechselten zu Wettbewerbern, was Fragen zum Talentmanagement und zur internen Dynamik aufwarf. Auch die operativen Kosten sind gestiegen – um rund 18 Prozent auf 9,71 Milliarden US-Dollar. Insgesamt zeigt sich Goldman Sachs als eine Bank, die trotz kurzfristiger Volatilität und personeller Veränderungen sowohl operative Stärke als auch strategische Positionierung beibehält und weiterhin als eine der einflussreichsten Institutionen der globalen Finanzwelt wahrgenommen wird.
Aktienanleihe mit Barriere auf The Goldman Sachs Group, Inc.
Turbo-Optionsscheine Open-End auf The Goldman Sachs Group, Inc.
Risiken
Emittenten- / Bonitätsrisiko:
Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.
Erhöhtes Verlustrisiko:
Wegen der Hebelwirkung besteht bei Hebelprodukten, wie z.B. bei den hierin genannten Turbo-Optionsscheinen und Mini Futures, ein erhöhtes Verlustrisiko (Totalverlustrisiko).
Marktrisiko / Preisänderungsrisiko:
Der Wert des Zertifikats kann während der Laufzeit durch die marktpreisbestimmenden Faktoren auch deutlich unter den Erwerbspreis fallen, wenn der Wert des Basiswerts fällt.
Marktrisiko:
Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.
Währungsrisiko:
Da die Währung des als Basiswert zugrundeliegenden Index nicht Euro ist und der Index Aktien und Wertpapiere enthält, die in anderen Währungen notieren (z.B. US-Dollar), hängt der Wert des Zertifikats auch vom Umrechnungskurs zwischen der jeweiligen Fremdwährung (z.B. US-Dollar) und Euro (Währung des Zertifikats) ab. Dadurch kann der Wert des Zertifikats (in Euro) über die Laufzeit erheblich schwanken.
Wichtige Hinweise:
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