Europas Strategische Autonomie
Europa befindet sich derzeit in einer Phase tiefgreifender wirtschaftlicher und geopolitischer Veränderungen. Angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen, der Transformation der Energieversorgung und des globalen Wettbewerbs um Schlüsseltechnologien rückt die Frage nach der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents zunehmend in den Fokus. Politik und Wirtschaft suchen nach Wegen, um die Resilienz Europas gegenüber externen Abhängigkeiten zu stärken und um zentrale Zukunftsbranchen gezielt zu fördern. Für Anleger ergeben sich daraus neue Fragestellungen hinsichtlich potenzieller Gewinner und Verlierer dieses strukturellen Wandels.
Ein neuer Investitionszyklus für Europa
Geopolitische Risiken, Konflikte und die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Europas Abhängigkeiten in zentralen Bereichen deutlich aufgezeigt. Ob Verteidigung, Energieversorgung oder Schlüsseltechnologien: Die Europäische Union verfolgt zunehmend das Ziel, ihre strategische Autonomie auszubauen und kritische Abhängigkeiten zu reduzieren. Damit entsteht ein langfristiger Investitionszyklus, der sowohl staatliche als auch private Investitionen in Milliardenhöhe nach sich ziehen könnte.
Für Anleger stellt sich die Frage, welche Unternehmen von dieser Entwicklung besonders profitieren könnten.
Verteidigung: Höhere Investitionen in die Sicherheitsinfrastruktur
Ein zentraler Baustein der strategischen Autonomie ist die Verteidigungsfähigkeit Europas. Vor dem Hintergrund der veränderten Sicherheitslage in Europa haben zahlreiche europäische Staaten ihre Verteidigungsbudgets erhöht und langfristige Investitionsprogramme aufgelegt. Gleichzeitig wächst der politische Wille, militärische Fähigkeiten stärker innerhalb Europas aufzubauen. Unabhängig von individuellen ESG-Präferenzen zählt der Sicherheits- und Verteidigungssektor mittlerweile zu den strategischen Schwerpunkten der europäischen Industriepolitik.
In diesem Zusammenhang wird häufig Rheinmetall genannt. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten europäischen Rüstungskonzerne entwickelt und profitiert von einer hohen Nachfrage nach Munition, Militärfahrzeugen und Verteidigungssystemen. Die gut gefüllten Auftragsbücher sprechen für eine hohe Visibilität der Umsätze in den kommenden Jahren.
Die Chancen liegen in langfristigen staatlichen Investitionsprogrammen und einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit. Gleichzeitig hängt die Geschäftsentwicklung weiterhin maßgeblich von politischen Entscheidungen, staatlichen Beschaffungsprogrammen sowie regulatorischen Rahmenbedingungen ab.
Energieinfrastruktur: Versorgungssicherheit als Investitionsthema
Neben der Verteidigung rückt auch die Energieversorgung stärker in den Fokus. Europa investiert zunehmend in Stromnetze, Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien, um die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken.
Ein möglicher Gewinner dieser Entwicklung ist Siemens Energy. Das Unternehmen könnte von Investitionen in Stromnetze und Energieinfrastruktur profitieren. Neben dem steigenden Strombedarf durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sorgt auch die Energiewende für einen hohen Investitionsbedarf. Der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert leistungsfähigere Stromnetze und moderne Netztechnik, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten. Damit spielt Siemens Energy eine wichtige Rolle bei zwei zentralen europäischen Zielen: der Dekarbonisierung und der Stärkung der Energieautonomie.
Chancen ergeben sich aus langfristigen Investitionsprogrammen und einer hohen Bedeutung für die Energiewende. Risiken bestehen unter anderem durch regulatorische Änderungen, Projektverzögerungen, sowie steigende Finanzierungskosten.
Technologische Souveränität als strategisches Ziel
Auch im Technologiesektor strebt Europa eine stärkere Unabhängigkeit an. Insbesondere die Halbleiterindustrie spielt eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents.
Eine zentrale Rolle nimmt dabei ASML ein. Das niederländische Unternehmen ist weltweit führend bei Lithografiesystemen für die moderne Chipproduktion und gilt als unverzichtbarer Bestandteil der globalen Halbleiter-Lieferkette.
Die größten Chancen liegen in steigenden Investitionen in Forschung, Produktion und Digitalisierung. Gleichzeitig bleibt die Branche jedoch anfällig für geopolitische Spannungen und konjunkturelle Schwankungen.
Produktidee: Barrier Reverse Convertible auf Rheinmetall, Siemens Energy und ASML
Anleger, die die Entwicklung dieser Themenbereiche verfolgen, können hierfür unterschiedliche Anlageinstrumente in Betracht ziehen. Eine interessante Anlagemöglichkeit für Anleger mit moderat positiver Markterwartung könnte ein Multi-Aktienanleihe mit Barriere (Worst-Of) auf Rheinmetall, Siemens Energy und ASML sein.
Mit einem solchen Produkt können Anleger einen festen Coupon vereinnahmen, unabhängig davon, ob die Basiswerte während der Laufzeit moderat steigen, seitwärts tendieren oder leicht zurückgehen. Entscheidend ist dabei die Entwicklung der zugrunde liegenden Aktien und die Einhaltung der jeweiligen Barriere.
Multi BRC auf ASML Holding NV, Rheinmetall AG, Siemens Energy AG
Chancen und Risiken
Aktienanleihen mit Barriere können insbesondere in einem Marktumfeld interessant sein, in dem Anleger von begrenzten Kurssteigerungen ausgehen und gleichzeitig laufende Erträge, in Form eines von der Entwicklung der Basiswerte unabhängigen Kupons, erzielen möchten.
Dem stehen jedoch erhebliche Risiken gegenüber. Maßgeblich für die Rückzahlung ist bei einem Worst-of Produkt die Entwicklung des Basiswertes mit der schwächsten Wertentwicklung. Wird die Barriere während der Laufzeit berührt oder unterschritten und notiert der betreffende Basiswert am Bewertungstag unter seinem Ausgangsniveau, kann es zu Verlusten des eingesetzten Kapitals kommen.
Darüber hinaus unterliegen Anleger dem Emittentenrisiko. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Emittenten kann unabhängig von der Entwicklung der Basiswerte ein teilweiser oder vollständiger Verlust des eingesetzten Kapitals eintreten. Zudem partizipieren Anleger nicht unbegrenzt an möglichen Kursanstiegen der zugrunde liegenden Aktien.
Europas Streben nach strategischer Autonomie dürfte die politischen Entscheidungen und Investitionen der kommenden Jahre maßgeblich prägen. Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung, Energieinfrastruktur und Technologie könnten dabei zu den wichtigsten Profiteuren zählen und Anlegern interessante Möglichkeiten bieten, von diesem langfristigen Trend zu profitieren.
Risiken
Emittenten- / Bonitätsrisiko:
Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.
Erhöhtes Verlustrisiko:
Wegen der Hebelwirkung besteht bei Hebelprodukten, wie z.B. bei den hierin genannten Turbo-Optionsscheinen und Mini Futures, ein erhöhtes Verlustrisiko (Totalverlustrisiko).
Festes Laufzeitende:
Die hierin genannten Zertifikate haben eine feste Laufzeit. Dies führt zur Beendigung der Anlage und Rückzahlung des aktuellen Werts zu dem bestimmten Termin. Die Zertifikate können nicht darüber hinaus gehalten werden. Es besteht kein Kapitalschutz für die hierin genannten Zertifikate.
Marktrisiko / Preisänderungsrisiko:
Der Wert des Zertifikats kann während der Laufzeit durch die marktpreisbestimmenden Faktoren auch deutlich unter den Erwerbspreis fallen, wenn der Wert des Basiswerts fällt.