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Volatilität: Risiko als Anlagechance

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Vontobel Markets
30. Nov. 2023 | 4 Minuten
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An den Aktienmärkten hat die Nervosität infolge der Nahost-Krise zugenommen. Mit Mini-Futures oder Constant Leverage Zertifikaten auf den US Volatilitätsindex VIX® haben Anleger die Möglichkeit, auf Veränderungen der Volatilität zu setzen.

Volatilität: Angstbarometer an den Börsen?

Zu den meistbeachteten Börsenkennziffern der Welt zählt die Volatilität. Sie gibt darüber Auskunft, mit welcher Intensität ein Wertpapierpreis, zum Beispiel der Kurs einer Aktie oder eines Aktienindex, um den eigenen Mittelwert schwankt. Dabei gilt: Je stärker die Kursschwankungen, umso höher die Volatilität. Die «Vola» ist ein rein mathematisches Konstrukt. Bei ihrer Ermittlung spielt es keine Rolle, in welche Richtung sich die Kurse gerade bewegen. Gleichwohl schlägt diese Kennziffer immer dann besonders rasant nach oben aus, wenn es an den Märkten nach unten geht. Das hat damit zu tun, dass Kurskorrekturen und Rücksetzer infolge bestimmter negativer Ereignisse oder aufkeimender Panik häufig ruckartig und vehement erfolgen. Daher überrascht es nicht, dass die Volatilität in erster Linie als Risikokennziffer wahrgenommen und Volatilitätsindizes folgerichtig als «Angstbarometer» bezeichnet werden.

VIX®: Der Vola-Indikator für den S&P 500®

Zu den weltweit bekanntesten Volatilitätsindizes zählt der VIX®. Diese von der Terminbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) ermittelte Benchmark misst die auf Basis der Optionspreise erwartete Schwankungsbreite des US-Leitindex S&P 500® für die nächsten 30 Tage. Der VIX® betrachtet also nicht die vergangenen, historischen Kursschwankungen von US-Aktien, sondern gibt über deren implizite, das heisst, erwartete Volatilität Auskunft. Ausgedrückt wird die Volatilität in Prozent. Ein Wert des VIX® von 20 Prozent bedeutet – vereinfacht ausgedrückt –, dass die Marktteilnehmenden in den nächsten 30 Tagen mit Schwankungen von 5.77 Prozent um den Mittelwert des S&P® 500 rechnen.

Langfristige Entwicklung US-Volatilitätsindex VIX® in Prozent

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Quellen: CBOE, eigene Recherchen; Index in USD. Stand: 21. Oktober 2023

Wie der Chart oben zeigt, kommt es immer dann zu starken Vola-Schüben, wenn es an den Märkten stürmt und kracht. Seinen höchsten Ausschlag markierte der 1993 lancierte VIX® im Oktober 2008 nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und dem Beinahe-Kollaps des globalen Finanzsystems. Bis auf fast 90 Prozent schoss der US-Vola-Index damals noch oben. Spitzenwerte erreichte er auch im März 2020 nach dem Ausbruch der Covid-Pandemie und den daraus resultierenden weltweiten Lockdowns.

Den eigentlichen Spitzenwert hält aber der 19. Oktober 1987. An diesem als «Black Monday» in die Börsengeschichte eingegangen Tag brach die Wall Street innerhalb weniger Stunden um nahezu ein Viertel ein. Die Volatilität (gemessen am VIX®-Vorgänger VXO®) erreichte an diesem denkwürdigen Tag die nie wieder erreichte Rekordmarke von 150 Prozent

Was es mit «Mean Reversion» auf sich hat

Beim Betrachten des Charts fällt sofort auf, dass die implizite Volatilität keinem langfristigen Trend folgt, sondern sich scheinbar immer wieder zu ihrem (gleitenden) Mittelwert hinbewegt. Das gerade beschriebene Muster wird in der Kapitalmarkttheorie als Mean Reversion bezeichnet. Der Mean Reversion-Effekt unterstellt die Existenz von Überreaktionen am Markt, die kurz- oder langfristig kompensiert werden. Er beschreibt einen stochastischen Prozess, der auf Veränderungen in eine Richtung mit einer steigenden Chance der Rückbewegung zu einem gleitenden Durchschnittswert reagiert.

Vola-Trading leicht gemacht

Für Anleger könnten sich aus dem Phänomen der Mean Reversion spannende Handelschancen ergeben. Auf der einen Seite könnte es sich anbieten, bei einer rasant gestiegenen Volatilität, die weit über ihren Mittelwert hinausgeschossen ist, auf eine Beruhigung der Märkte und auf eine wieder abnehmende Schwankungsintensität zu setzen. Auf der anderen Seite könnte es Sinn machen, in bewegungsarmen und ruhigen Phasen auf eine Vola-Spitze, also den Ausbruch nach oben, zu spekulieren. Das passende Instrument für diese durchaus riskante Trading-Strategie stellen Mini-Futures und Constant Leverage Zertifikate auf den VIX®, besser gesagt auf den CBOE VIX® Future, dar. Die Mini-Futures nehmen (ohne Laufzeitbegrenzung) gehebelt an der Entwicklung des VIX® Futures teil, wobei Mini-Futures Long von einem Anstieg, Mini-Futures Short von einem Rückgang des zugrundeliegenden VIX®-Kontrakts profitieren.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel*: Ein Trader erwartet, dass US-Aktien unruhige Zeiten bevorstehen könnten und die Volatilität nach oben geht. Also erwirbt er einen Mini-Future Long auf den CBOE VIX® Future mit einem Bezugsverhältnis von 0,1. Der Basiswert notiert bei 15.85 US-Dollar. Die Angabe in Dollar spiegelt vereinfacht ausgedrückt den Stand der erwarteten Volatilität wider, also 15,85 Prozent. Der Basispreis und die Stop-Loss-Barriere des Mini-Future Long liegen bei 10.4946 bzw. 11.80 Dollar. Steigt der VIX®-Future um einen US-Dollar (bzw. um einen Prozentpunkt) auf 16.85 US-Dollar (bzw. 16,85 Prozent), nimmt der Mini-Future Long mit einem Hebel von 2,80 daran teil. Im Umkehrschluss gilt: Kommt es zu einem Rückgang der Volatilität, erleidet der Anleger entsprechend gehebelte Verluste. Berührt oder unterschreitet der VIX® Future sogar die Stop-Loss-Barriere des Produkts, dann wird das Produkt sofort fällig und mit einem kleinen Restwert zurückbezahlt (je nach Marktbewegung kann der Mini-Future auch wertlos verfallen).

Ein konstanter Faktor

Möglich ist die kurzfristige Positionierung in dieser speziellen Anlageklasse auch mit Hilfe von Constant Leverage Zertifikaten. Dieses Produkt bildet die Tagesrendite eines Referenzwertes mit einem konstanten Hebel ab. Bei einem positiven Faktor setzen Trader auf steigende Kurse. Lautet das Kalkül auf einen Rückgang des jeweiligen Referenzwertes, muss der Faktor negativ sein. Die Laufzeit ist unbegrenzt. Um diese Funktionsweise zu ermöglichen, wird für jedes Constant Leverage Zertifikat ein Faktor-Index aufgesetzt. Bei Produkten, die eine Long-Positionierung im VIX® mit einem Faktor von vier ermöglichen, trägt dieser Referenzindex den Namen «4X Long Index linked to CBOE Volatility Index (VIX) Future V5». Anders als beim Mini-Future kann es beim Constant Leverage Zertifikat nicht zu einem Knock-out, also einer automatischen Beendigung, kommen. Eine im Referenz-Faktor-Index eingebaute Schwelle ermöglicht die untertägige Indexanpassung und verhindert so den sofortigen Totalverlust. Was allerdings nichts daran ändert, dass auch hier ein sehr grosses Minus auflaufen kann, sobald die jeweilige Strategie des Anlegers nicht aufgeht.

Spannendes Feld für Erfahrene

Angesichts der Komplexität der Anlageklasse Volatilität und ihrer zum Teil ruckartigen Ausschläge erfordert der Handel mit Mini-Futures oder Constant Leverage Zertifikaten auf den CBOE VIX® Future ausreichend Erfahrung und eine hohe Risikobereitschaft. Wer sich dem bewusst ist, findet im Handeln der Volatilität ein überaus spannendes Investmentfeld mit einer Vielfalt an möglichen Handelsstrategien.

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