Investment Idee
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Richtungsweisender Tag bei der Credit Suisse

26. Okt. 2022 | 4 Minuten

Mit Spannung erwartet wird von den Anlegern dieser Donnerstag, 27. Oktober 2022. Das ist nämlich der Tag, an dem das Management der Credit Suisse rund um CEO Ulrich Körner das lange erwartete und umfangreiche Strategieupdate zusammen mit den Zahlen für das dritte Quartal bekanntgeben wird. Die neue Strategie ist dringend notwendig, da zuletzt grosse Unsicherheit bei den Marktteilnehmern bestand im Hinblick auf die Zukunft der Credit Suisse. Besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf der Finanzierung der neuen Strategie sowie dem Verbleib der Investment Bank.

CS-Bankchef Ulrich Körner stellt diese Woche Donnerstag das gross angekündigte Strategieupdate vor. Endlich könnten viele Anleger meinen, stand doch das Management-Team sowie die Bank selbst die letzten Wochen und Monate unter enormen Druck.

Strategisch begleitet bei der Ausarbeitung wurde die CS von den Unternehmensberatungsgesellschaften McKinsey und Oliver Wyman. Allen voran die Kunden, Partner, Mitarbeitenden sowie die gesamte Finanzwelt warten gespannt darauf, wie die CS-Führung die Bank neu ausrichten und auf ein solides Fundament zu stellen gedenkt. Bereits angekündigt wurde, dass die Bank sich verstärkt auf die Divisionen Wealth Management, Swiss Bank und das Asset Management ausrichten möchte. Das kapitalintensive und zuletzt krisengebeutelte Investment Banking soll einer Transformation unterzogen werden.

Bei all diesen Plänen ist insbesondere die Art und Weise der Finanzierung ein ausschlaggebender Punkt. Zuletzt kamen immer wieder kritische Stimmen auf, ob die Bank über die nötige Kapitaldecke verfügt, um diese komplexe Transformation in dem aktuell herausfordernden Marktumfeld vollziehen zu können. Überzeugt die Bank die Märkte nicht mit der neuen Strategie, könnte es zu einem weiteren Kundenexodus und Kursverfällen kommen.

Ausverkauf einzelner Beteiligungen zur Erhöhung der Kapitaldecke

Die «Gerüchteküche» brodelte schon länger. Die verschiedenen Marktteilnehmer stellen im Vorfeld zum Strategieupdate bereits Vermutungen darüber auf, was die Credit Suisse alles geplant haben könnte. Auch wenn die Meinungen auseinandergehen – bei einem Punkt sind sich wohl so ziemlich alle einig: es wird dringend frisches Kapital benötigt werden. Analysten von der US-Bank Goldman Sachs rechnen bis 2024 mit einer Kapitallücke von 4 bis 8 Milliarden Franken bei der CS. Zur Schliessung der Kapitallücke bleiben der CS verschiedene Möglichkeiten. Eine Kapitalerhöhung durch die Aushabe neuer Aktien könnte zu einer Verwässerung der Altaktionäre führen. Problematisch dabei ist, dass sich die Zahl der Anteilsscheine mehr als verdoppelt hat und der innere Wert pro Titel hat sich gleichzeitig halbiert.

Grund dafür ist, dass die Bank in den letzten Jahren immer wieder neue Aktien herausgegeben hat. Der vorgängige Konzernchef Thomas Gottstein hatte im Anschluss an den Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos Capital Management über zwei Pflicht-Wandelanleihen 1.75 Milliarden Franken bei Investoren eingesammelt. Auch Tidjane Thiam (CEO der Credit Suisse vor Thomas Gottstein) hatte während seiner knapp 5-jährigen Amtszeit über zwei Kapitalerhöhungen rund zehn Milliarden Franken frisches Kapital aufgenommen.

Gemäss der Sonntagszeitung und einer anonymen Quelle zur Folge soll aktuell eine Kapitalerhöhung im mutmasslichen Umfang von 2 Milliarden Schweizer Franken im Raum stehen. Um diese Kapitalerhöhungen durch die Ausgabe neuer Aktien zu decken, müssten fast 1 Milliarde neue Aktien ausgebeben werden. Finanzinformationsdienstleister Bloomberg berichtet ebenfalls, dass die Ausgabe von Wandelanleihen geplant sein könnte.

Eine andere Möglichkeit ist die Generierung des Kapitals durch Verkäufe einzelner Einheiten nach Fernost. Der Konsens bezweifelt, dass Verkäufe allein das notwendige Kapital für die Restrukturierung decken kann. In jedem Fall ist die dringend notwendige Restrukturierung der Credit Suisse kapitalintensiv. Auch wenn die Bank zuletzt immer wieder bestätigt, dass eine genügende Kapitaldeckung vorhanden sei (Quote des harten Kernkapitals CET1 im zweiten Quartal 2021: 13.5%).

Bereits begonnen hat die CS diesen Oktober mit strategischen Verkäufen einzelner Beteiligungen. So wurde die 50%-Beteiligung an der Fondsplattform Allfunds für 328 Millionen Franken veräussert. Schätzungen zu Folge wäre dieselbe Beteiligung vor einem Jahr noch mehr als das Dreifache wert gewesen. Zusätzlich wurde der Ausstieg aus dem Infrastrukturinvestor Energy Infrastructure Partners für 30 Millionen bekanntgegeben. Auch schon bekannt sind die Bemühungen der CS, den Anteil an dem Hotel Savoy am Zürcher Paradeplatz zu veräussern. Dessen Wert liegt vermutlich bei um die 450 Millionen Franken. Weiter im Raum steht der Verkauf des Verbriefungsgeschäfts der Investment Bank sowie der Verkauf weitere Beteiligungen an der Bank Now sowie an dem Kreditkartenunternehmen Swisscard. Ob die Summe dieser Massnahmen am Ende genügen, wird sich zeigen.

Abgeschlossene Altlasten

Zuletzt konnte die CS eine offene Rechtsstreitigkeit mit französischen Behörden abschliessen. Dabei ging es um potenzielle Delikte durch die Bank im Hinblick auf die Vermeidung von Steuerzahlungen aus den Jahren 2005 bis 2012. Gegen eine Zahlung von insgesamt 238 Millionen Franken konnte ein Vergleich mit der französischen Staatsanwaltschaft erzielt werden.

Kurz zuvor löste die CS eine weitere, jahrelange Rechtsstreitigkeit mit der Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaates New Jersey. Dabei ging es um das sogenannte Residential Mortgage-Backed-Securities (RMBS)-Geschäft, wobei es im Grunde um durch Hypotheken besicherte Wertpapiere für Wohnimmobilien ging. Die entsprechenden Transaktionen reichen dabei zurück bis vor die Finanzkrise 2007/2008. Die CS konnte die Ansprüche aus diesem Rechtsstreit in Höhe von 495 Millionen US-Dollar vollständig aus bereits gebildeten Rückstellungen begleichen.

Strategie

Die CS blickt seit Ihrer Gründung durch Alfred Escher im Jahre 1856 nun schon auf eine lange Historie zurück. Seither ist viel Zeit vergangen und die Credit Suisse stand in den letzten Jahren aus diversen Gründen im medialen Fokus. Nachdem die zuletzt schwer krisengebeutelte Bank auch an der Börse unter die Räder kam (aktueller Aktienkurs am 24.10.22 bei 4.60 Franken), will die Bank sich auf Ihre Wurzeln zurückbesinnen – und diese liegen in der Vermögensverwaltung. Die CS ist traditionell stark verankert bei Unternehmern und bei besonders vermögenden Kunden. Dabei bildet auch nicht zuletzt die diversifizierte Kundschaft das Fundament für den Turnaround.

Im Moment bedient die CS ihre Kunden durch die vier Divisionen Wealth Management, Investment Bank, Swiss Bank und Asset Management. Das Investment Banking soll im Rahmen der neuen Strategie zurückgefahren werden beziehungsweise Teile davon veräussert werden. Zusätzlich erschwerend zur bankeigenen Krise wirkt sich das aktuelle Marktumfeld auf die Profitabilität beim Handels- und Kreditgeschäft aus.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die CS ihre Investment Bank komplett einstampfen wird. Einige Geschäftsbereiche des Investment Banking binden wenig Kapital und sind zugleich gefragt zur Unterstützung des Wealth Managements. Diese könnten auch in die strategisch neu ausgerichtete CS passen. Darunter könnte beispielsweise das klassische Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen fallen sowie einzelne Einheiten des Währungshandels oder des Aktienresearch.

Nach Andreas Venditti, Analyst bei der Bank Vontobel, werden durch die Einschnitte bei der Investment Bank und durch ein entsprechendes Herunterfahren des Geschäfts zuallererst Kunden und Erträge wegbleiben, die Kosten allerdings für IT, Handel und Risikomanagement weiterhin hoch bleiben.

In jedem Fall handelt es sich bei der Credit Suisse aber um ein Schwergewicht des hiesigen Finanzplatzes. Per Ende 2021 verfügt sie über mehr als 50'000 Mitarbeiter und 1'614 Milliarden Franken verwaltete Vermögen. Gemessen an den Assets befindet sich die Credit Suisse unter den 50 grössten Banken Europas auf Platz 17.

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