KI-Infrastruktur im Fokus: Micron, POET Technologies & der Roundhill Memory ETF
Der KI-Boom sorgt derzeit nicht nur bei Softwareunternehmen für Aufmerksamkeit, sondern verändert zunehmend auch die Halbleiterindustrie. Besonders gefragt sind leistungsfähige Speicher- und Datenübertragungslösungen, die für moderne KI-Rechenzentren essenziell sind. Neben dem Speicherchip-Hersteller Micron Technology rücken deshalb auch kleinere Spezialisten wie POET-Technologies sowie Themen wie DRAM-Speicher und entsprechende Branchen ETFs stärker in den Fokus der Märkte.
Micron profitiert massiv vom KI Boom
Micron zählt zu den weltweit grössten Herstellern von Speicherchips. Das Unternehmen produziert vor allem sogenannte DRAM- und NAND-Speicher. DRAM steht für «Dynamic Random Access Memory» und beschreibt einen besonders schnellen Arbeitsspeicher, der Daten kurzfristig verarbeitet. Gerade bei Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz ist dieser Speicher entscheidend, da enorme Datenmengen nahezu in Echtzeit verarbeitet werden müssen.
Die Aktie von Micron entwickelte sich zuletzt aussergewöhnlich stark. Auf Basis des Schlusskurses vom 25. Mai 2026 bis zum Schlusskurs vom 26. Mai 2026 legte die Aktie um über 19 Prozent zu und überschritt dabei erstmals die Marke von einer Billion US Dollar Börsenwert. Auslöser war unter anderem eine massive Anhebung des Kursziels durch die UBS. Die Investmentbank begründete dies mit strukturell steigender Nachfrage nach KI Speicherlösungen sowie langfristigen Lieferverträgen im HBM Bereich (Reuters, 2026).
Besonders wichtig ist dabei der Bereich «High Bandwidth Memory» (HBM). Diese Hochleistungsspeicher werden gemeinsam mit KI-Beschleunigern eingesetzt und gelten als zentrale Infrastruktur moderner KI Systeme. Laut Reuters soll die HBM Produktion von Micron für 2026 bereits weitgehend ausverkauft sein. Gleichzeitig steigen die Preise für DRAM-Speicher deutlich an (Reuters, 2026).
Auch operativ zeigt sich die Entwicklung. Micron meldete zuletzt Rekordumsätze und stark steigende Margen. Viele Marktteilnehmer sehen darin ein Zeichen dafür, dass sich Micron zunehmend vom klassischen zyklischen Speicherhersteller hin zu einem strategischen KI Infrastruktur Anbieter entwickelt.
POET Technologies setzt auf optische Datenübertragung
Während Micron vor allem von Speicherchips profitiert, verfolgt POET Technologies einen anderen Ansatz innerhalb der KI-Infrastruktur. Das Unternehmen entwickelt photonische Lösungen für die Datenübertragung in Rechenzentren. Dabei werden Daten nicht mehr ausschliesslich elektrisch über Kupferleitungen übertragen, sondern zunehmend optisch mithilfe von Lichtsignalen.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte «Optical Interposer» Technologie des Unternehmens. Diese soll verschiedene optische und elektronische Komponenten auf einem Chip kombinieren und dadurch kleinere, energieeffizientere und kostengünstigere Lösungen ermöglichen. Besonders relevant wird dies für KI-Rechenzentren, da dort enorme Datenmengen zwischen Chips und Servern transportiert werden müssen (POET Technologies, 2026).
Zuletzt sorgte POET mit mehreren Partnerschaften für Aufmerksamkeit. Mitte Mai 2026 meldete das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit Lumilens zur Entwicklung neuer optischer Module für KI-Netzwerke. Ziel ist es, Engpässe bei der Datenübertragung innerhalb moderner KI-Infrastruktur zu reduzieren (POET Technologies, 2026).
Gleichzeitig arbeitet POET mit LITEON an optischen Kommunikationsmodulen für KI-Anwendungen und hyperskalierte Rechenzentren. Das Unternehmen positioniert sich damit gezielt im wachsenden Markt für optische KI-Infrastruktur (POET Technologies, 2026).
DRAM und der Roundhill Memory ETF
Der aktuelle KI-Boom rückt den DRAM Markt und die entsprechenden Speicherhersteller wieder stärker in den Fokus der Anleger. KI-Modelle benötigen enorme Datenmengen und hohe Rechengeschwindigkeiten. Ohne leistungsfähige Speicherlösungen könnten moderne KI-Anwendungen nicht effizient betrieben werden.
Eine Möglichkeit, gezielt auf diesen Trend zu setzen, bietet der Roundhill DRAM ETF. Der ETF investiert in Unternehmen aus dem Bereich Speichertechnologie und Halbleiterinfrastruktur. Dazu zählen unter anderem Hersteller von DRAM Speicherchips sowie Unternehmen aus dem Umfeld von KI-Rechenzentren und Datenverarbeitung. Anleger können damit breiter auf den Speichertrend setzen, ohne ausschliesslich von der Entwicklung einzelner Unternehmen abhängig zu sein.
Ausblick
Die Entwicklungen zeigen, dass sich der KI-Boom zunehmend auf die gesamte technologische Infrastruktur ausweitet. Neben Grafikprozessoren rücken damit auch Speicherchips, Hochleistungsnetzwerke und photonische Datenübertragung stärker in den Fokus der Kapitalmärkte. Chancen ergeben sich insbesondere aus dem weltweit steigenden Bedarf an KI-Rechenleistung und Rechenzentren. Gleichzeitig bleiben die Märkte jedoch von hoher Dynamik, intensivem Wettbewerb und möglichen Rückschlägen bei Investitionen in KI-Infrastruktur geprägt.