GameStop möchte eBay übernehmen
Der Gaming-Retailer, der in Wirtschaftskreisen eine notorische Bekanntheit durch den von Retail-Investoren ausgelösten Short-Squeeze im Jahr 2020 erlangte, hat grosses vor. Konkret will GameStop den weltweit bekannten Gebrauchtmarkt-Giganten eBay übernehmen. Interessant dabei ist unter anderem, dass eBay mit einer Marktkapitalisierung von rund 48 Milliarden US-Dollar auftrumpfen kann, während GameStop gerade einmal rund 11 Milliarden US-Dollar auf die Waage bringt (Yahoo Finance, 04.05.2026). Was hat GameStop vor?
Eine Meme-Aktie meldet sich zurück
Manche mögen sich vielleicht noch erinnern. Mitten in der Corona-Zeit löste ein spektakulärer Short-Squeeze der GameStop-Aktie einen regelrechten Börsen-Hype aus. Was geschehen ist, ist hinlänglich bekannt: Privatinvestoren haben sich auf dem berüchtigten Subreddit «Wall Street Bets» verbündet, um den «bösen» Short-Sellern den Garaus zu machen. Durch diese koordinierte Aktion stieg der Kurs von GameStop im Januar 2021 kurzzeitig auf über 480 US-Dollar je Aktie, nachdem er im Sommer 2020 noch bei rund einem US-Dollar pro Aktie notierte (TradingView, 04.05.2026).
Mittlerweile hat sich der Hype um die GameStop-Aktie wieder etwas beruhigt. GameStop hat in den letzten Jahren unter dem neuen CEO Ryan Cohen seine Position wieder etwas gefestigt. So wies das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 einen Nettogewinn von 418 Mio. US-Dollar aus, nach 131 Mio. im Vorjahr und einem Verlust von 381 Mio. im Geschäftsjahr 2021 (BBC, 05.05.2026; GameStop, 03.05.2026). Erreicht wurde diese Wende primär über strikte Kostensenkungen und die Schliessung mehrerer hundert Filialen. Allein 2025 wurden 590 Standorte aufgegeben (Guardian, 04.05.2026). Strategisch hat sich GameStop auf margenstärkere Kategorien wie Sammelkarten, Retro-Games und Konsolen verlagert. Per Ende Januar 2026 verfügte das Unternehmen zudem über rund 9.4 Mrd. US-Dollar an liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen (GameStop, 03.05.2026). Diese Kriegskasse soll dabei mithelfen, den nun angekündigten Schritt möglich zu machen.
Nun also die geplante Übernahme von eBay
Bei eBay wiederum präsentiert sich die Ausgangslage gemischt. Das 1995 von Pierre Omidyar gegründete Online-Auktionshaus hat in den vergangenen Jahren an Terrain verloren: Das Bruttowarenvolumen (Gross Merchandise Volume) sank von einem Spitzenwert von rund 100 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020 auf 79.6 Mrd. im Geschäftsjahr 2025 (CNBC, 03.05.2026). Auch die Zahl der aktiven Käufer ging von 175 Millionen im Jahr 2018 auf zuletzt rund 136 Millionen zurück (BBC, 05.05.2026). CEO Jamie Iannone versucht, mit einem Fokus auf Sammlerstücke, gebrauchte Luxusmode und Autoteile sowie mit dem verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz gegenzusteuern; im Februar wurde zudem die Übernahme der Second-Hand-App Depop von Etsy für rund 1.2 Mrd. US-Dollar bekannt gegeben (Guardian, 04.05.2026). Im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz mit 3.09 Mrd. US-Dollar leicht über den Konsensschätzungen (CNBC, 03.05.2026).
Das Angebot im Detail
Konkret bietet Gamestop 125 US-Dollar je Aktie, je zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien. Das entspricht einem Gesamtwert von rund 55.5 Mrd. US-Dollar und einem Aufschlag von 46 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 4. Februar 2026, jenem Tag, an dem GameStop laut Medienmitteilung mit dem Aufbau seiner Beteiligung begann (GameStop, 03.05.2026). Bezogen auf den letzten Schlusskurs vor der Bekanntgabe liegt die Prämie bei rund 20 Prozent (FuW, 04.05.2026). Aktuell hält GameStop nach eigenen Angaben einen Anteil von rund 5 Prozent an eBay, überwiegend über Derivate. Der Barteil soll aus den vorhandenen liquiden Mitteln sowie einer Finanzierungszusage der Bank TD Securities über bis zu 20 Mrd. US-Dollar gestemmt werden (GameStop, 03.05.2026).
Inhaltlich begründet GameStop das Angebot mit einem angestrebten Einsparpotenzial von 2 Mrd. US-Dollar pro Jahr, das innerhalb von zwölf Monaten nach Vollzug gehoben werden soll. Hintergrund ist gemäss Cohen, dass eBay 2025 unter anderem rund 2.4 Mrd. US-Dollar für Marketing aufgewendet, dabei aber nur rund eine Million zusätzliche aktive Käufer gewonnen habe (CNBC, 03.05.2026). Die rund 1600 Filialen von GameStop sollen zudem als physisches Netzwerk für Authentifizierung, Logistik und sogenanntes «Live Commerce» in das Modell von eBay integriert werden (Guardian, 04.05.2026).
Skepsis am Markt
Die Reaktion der Börse fiel zurückhaltend aus. eBay-Titel legten am Montag zu, blieben mit rund 110 US-Dollar aber unter dem Angebotspreis (TradingView, 04.05.2026). Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass Investoren mit einem Abschluss in der vorgeschlagenen Form nicht fest rechnen (CNBC, 03.05.2026). Die Gamestop-Aktie verlor währenddessen nach der Ankündigung rund 5 Prozent (FuW, 04.05.2026). Der durch seine Wetten gegen den US-Hypothekenmarkt bekanntgewordene Investor Michael Burry äusserte sich ebenfalls skeptisch und erwägt nach eigenen Angaben, seine GameStop-Beteiligung teilweise oder vollständig abzubauen (FuW, 04.05.2026).
eBay hat den Eingang des Angebots bestätigt und mitgeteilt, es zusammen mit seinen Finanzberatern zu prüfen. Sollte der Verwaltungsrat ablehnen, hat Cohen angekündigt, sich direkt an die Aktionäre zu wenden – notfalls über einen Proxy-Fight. Ob die Transaktion in der vorgeschlagenen Form zustande kommt, könnte davon abhängen, ob Banken und externe Investoren bereit sind, einen Deal dieser Grössenordnung mitzutragen.