Luxussektor unter Druck: Warum LVMH, Kering und Moncler an Dynamik verlieren
Die europäischen Luxuskonzerne stehen vor einer Phase wachsender Unsicherheit. Nach Jahren stabiler Expansion geraten zentrale Treiber der Branche zunehmend unter Druck. LVMH, Kering und Moncler sehen sich mit schwächerer Nachfrage, regionalen Verschiebungen und einem veränderten Konsumverhalten konfrontiert. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage in den Fokus, wie belastbar das Geschäftsmodell der Luxusindustrie tatsächlich ist.
LVMH, vom Wachstumsmotor zum Bremser
Beim Branchenführer LVMH zeigt sich die Abschwächung deutlich. Nach einem Umsatz von rund 84.8 Milliarden Euro im Jahr 2024 sank der Umsatz im Jahr 2025 auf 80.8 Milliarden Euro (Quelle: LVMH Geschäftsbericht, 27.01.2026).
Damit verzeichnete der Konzern erstmals seit Jahren einen Umsatzrückgang. Gleichzeitig gingen sowohl Gewinn als auch operative Marge zurück. Besonders betroffen ist das Kerngeschäft mit Mode und Lederwaren, das lange als stabilster Wachstumstreiber galt.
Zusätzlich belasten geopolitische Unsicherheiten und eine schwächere Nachfrage aus China das Geschäft. Auch steigende Kosten und Währungseffekte drücken auf die Profitabilität. LVMH muss damit erstmals seit Jahren Wachstum und Margen gleichzeitig verteidigen.
Kering, Gucci wird zum Problemfall
Bei Kering fällt die Entwicklung deutlich schwächer aus. Der Umsatz sank von rund 17.2 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa 14.7 Milliarden Euro im Jahr 2025 (Quelle: Kering Geschäftsbericht, 10.02.2026).
Hauptursache ist die anhaltende Schwäche der Kernmarke Gucci, die weiterhin deutliche Umsatzverluste verzeichnet. Diese Abhängigkeit wird zunehmend zum strukturellen Problem.
Gucci hat an Attraktivität verloren, während die Neuausrichtung Zeit benötigt. Gleichzeitig fehlt Kering die Diversifikation, um Rückgänge aufzufangen. Damit steht der Konzern nicht nur vor einem Nachfrageproblem, sondern vor einer strategischen Herausforderung.
Moncler, zwischen Asien-Boom und Nachfrageschwäche
Auch Moncler zeigt eine deutliche Abschwächung. Nach rund 3.1 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2024 stieg der Umsatz 2025 nur leicht auf etwa 3.13 Milliarden Euro (Quelle: Börse Online, 20.02.2026).
Das Wachstum liegt damit nur noch im niedrigen einstelligen Bereich. In einzelnen Regionen kam es bereits zu Rückgängen. Die Ursachen liegen vor allem in einer schwächeren Nachfrage in China sowie im rückläufigen Tourismus. Gleichzeitig zeigt sich die Abhängigkeit von einzelnen Märkten und Produktkategorien stärker als in der Vergangenheit.
Moncler reagiert damit sensibler auf konjunkturelle Schwankungen als stärker diversifizierte Konzerne.
Gemeinsame Probleme, ein Sektor unter Druck
Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen zeigen sich klare Parallelen. Die Umsatzentwicklung von 2024 auf 2025 verdeutlicht, dass der gesamte Sektor an Dynamik verloren hat. Wachstum ist nicht mehr selbstverständlich.
Ein zentraler Faktor ist die schwächere Nachfrage in China. Gleichzeitig sorgen geopolitische Spannungen für Unsicherheit, geringere Kaufbereitschaft und weniger internationalen Reiseverkehr.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die starken Preiserhöhungen der vergangenen Jahre stossen an Grenzen. Viele Marken verlieren Kunden aus dem mittleren Einkommenssegment. Steigende Kosten treffen zudem auf stagnierende Umsätze und setzen die Margen unter Druck. Der Sektor wird damit deutlich zyklischer und weniger planbar.
Ein Markt im Umbruch
Die aktuellen Entwicklungen schlagen sich auch am Kapitalmarkt nieder. Aktien von LVMH, Kering und Moncler reagieren sensibler auf neue Informationen, Kursbewegungen fallen stärker aus als in den Jahren zuvor.
Der Luxusmarkt entwickelt sich damit zu einem Umfeld, das weniger von planbarem Wachstum als von Schwankungen geprägt ist. Die erhöhte Volatilität ist Ausdruck dieser Unsicherheit und zeigt, dass sich die Branche in einer klaren Übergangsphase befindet.