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UniCredit greift nach der Commerzbank

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16. März 2026 | 3 Minuten
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Bild von Kirche

Der europäische Bankensektor befindet sich seit einigen Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Viele Institute sind im internationalen Vergleich kleiner als grosse US-Banken, weshalb verstärkt über grenzüberschreitende Zusammenschlüsse diskutiert wird. Im Mittelpunkt dieser Debatte steht derzeit die Commerzbank, ein wichtiger Kreditgeber für den deutschen Mittelstand. Seit 2024 baut die italienische Grossbank UniCredit schrittweise eine Beteiligung an der Commerzbank auf und ist inzwischen ihr grösster Einzelaktionär (The Guardian, 16.03.2026; Reuters, 16.03.2026).

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Der Einstieg von UniCredit bei der Commerzbank

Der Beginn dieser Entwicklung startete im September 2024, als die Bundesregierung einen Teil ihrer Beteiligung an der Commerzbank veräusserte. In einem beschleunigten Verkaufsverfahren bot der Staat ein Aktienpaket von rund 4,5 Prozent an, das schliesslich von UniCredit erworben wurde. Die italienische Bank setzte sich dabei mit einem höheren Gebot gegen andere Interessenten durch und zahlte rund 700 Millionen Euro für die Beteiligung. (Reuters, 11.09.2024)

Parallel dazu kaufte UniCredit weitere Aktien am Markt und konnte so rasch eine grössere Beteiligung aufbauen. Bereits kurze Zeit später hielt das Institut rund neun Prozent der Commerzbank und avancierte damit zu einem der wichtigsten Aktionäre.

In den folgenden Monaten erhöhte UniCredit ihren Anteil kontinuierlich. Heute besitzt die Bank rund 26 Prozent der Commerzbank-Aktien sowie weitere etwa 4 Prozent über Finanzinstrumente, wodurch sie sich der entscheidenden Schwelle von 30 Prozent annähert. Diese Grenze ist im deutschen Übernahmerecht von besonderer Bedeutung, da beim Überschreiten automatisch ein öffentliches Übernahmeangebot an alle Aktionäre erfolgen muss. (Reuters, 16.03.2026)

Das aktuelle Übernahmeangebot

Genau diesen Schritt hat UniCredit nun vollzogen. Heute, am 16. März 2026, kündigte die italienische Grossbank ein offizielles Angebot für die Commerzbank an. Die Offerte bewertet das deutsche Institut mit rund 35 Milliarden Euro und gehört damit zu den grössten potenziellen Bankübernahmen der letzten Jahre in Europa (Financial Times, 16.03.2026).

Das Angebot erfolgt in Form eines Aktientauschs. Für jede Commerzbank-Aktie sollen Aktionäre etwa 0.485 UniCredit-Aktien erhalten. Auf Basis der damaligen Börsenkurse entspricht dies einem Preis von etwa 30.80 Euro pro Aktie, was einem Aufschlag von rund vier Prozent gegenüber dem vorherigen Börsenkurs entspricht (Reuters, 16.03.2026).

Mit diesem Angebot verfolgt UniCredit vor allem ein strategisches Ziel. Durch das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle würde die Bank zusätzliche Handlungsspielräume gewinnen und könnte ihre Beteiligung weiter ausbauen oder intensivere Gespräche über eine mögliche Fusion führen. (MarketWatch, 16.03.2026)

Chart Commerzbank AG (5 Jahre)
Chart UniCredit SpA (5 Jahre)

Strategische Bedeutung einer möglichen Übernahme

Eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit hätte weitreichende Auswirkungen auf den europäischen Bankensektor. Für UniCredit-Chef Andrea Orcel ist Deutschland der wichtigste Bankenmarkt Europas, weshalb eine stärkere Präsenz dort strategisch besonders attraktiv ist. (The Guardian, 16.03.2026)

Gleichzeitig könnte ein Zusammenschluss eine der grössten grenzüberschreitenden Banken Europas schaffen. Viele Analysten sehen darin ein mögliches Beispiel für eine stärkere Integration des europäischen Bankensektors, der bislang noch stark national geprägt ist. (Reuters, 16.03.2026)

Doch gerade diese wirtschaftliche Bedeutung erklärt auch, warum der Übernahmeversuch politisch besonders sensibel ist.

Politischer Widerstand und offene Fragen

Der deutsche Staat hält weiterhin rund 12 Prozent der Commerzbank-Aktien, ein Überbleibsel aus der Bankenrettung während der Finanzkrise 2008, wodurch die Bundesregierung ein wichtiger Akteur bei möglichen strategischen Entscheidungen rund um die Bank bleibt. (Reuters, 23.09.2024)

Gerade der Aktienverkauf im Jahr 2024 löste politische Diskussionen aus. Kritiker argumentierten, dass der Bund durch den Verkauf unbeabsichtigt den Einstieg eines strategischen Käufers erleichtert habe, der anschliessend seine Beteiligung gezielt ausbauen konnte.

Auch das Management der Commerzbank und die Arbeitnehmervertreter stehen den Übernahmeplänen kritisch gegenüber. Sie warnen vor möglichen Folgen für Arbeitsplätze sowie für die Rolle der Bank als zentraler Finanzierungspartner vieler deutscher Unternehmen. (Welt, 16.03.2026)

Ein möglicher Wendepunkt für Europas Banken

Ob das Angebot zu einer vollständigen Übernahme führen wird, ist derzeit noch unklar. Neben der Zustimmung der Aktionäre sind auch politische Entscheidungen sowie regulatorische Prüfungen durch europäische Aufsichtsbehörden von grosser Bedeutung.

Fest steht jedoch bereits jetzt: Der Vorstoss von UniCredit hat die Debatte über grenzüberschreitende Bankenfusionen in Europa neu entfacht. Sollte der Deal zustande kommen, könnte er einen wichtigen Schritt hin zu grösseren und international wettbewerbsfähigeren europäischen Banken darstellen (Financial Times, 16.03.2026).

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