VIX erklärt: Wie die Wall Street die Unsicherheit misst
Der Volatilitätsindex (VIX) ist einer der bedeutendsten Stimmungsindikatoren der globalen Finanzmärkte. Entwickelt wurde er von der Chicago Board Options Exchange (CBOE®), heute Teil von CBOE® Global Markets. Der VIX misst die vom Markt erwartete Schwankungsbreite des S&P® 500 für die kommenden 30 Tage und gilt daher als Barometer für Unsicherheit und Risiko. Anders als viele klassische Risikokennzahlen ist er nicht rückblickend, wie zum Beispiel die Standardabweichung, sondern zukunftsgerichtet. Er zeigt nicht, wie stark der Markt geschwankt hat, sondern wie stark Marktteilnehmer erwarten, dass er schwanken wird.
VIX im Detail: Wie SPX-Optionen die Marktvolatilität messen
Die Berechnung des VIX erfolgt ausschliesslich auf Basis von Optionen auf den S&P® 500, konkret auf Basis sogenannter SPX-Optionen. Dabei werden nur Kontrakte mit einer Restlaufzeit zwischen 23 und 37 Tagen berücksichtigt. Durch eine lineare Interpolation wird daraus eine exakt 30-tägige erwartete Volatilität berechnet. Der VIX stellt somit die annualisierte implizite Volatilität einer hypothetischen S&P® 500-Option mit 30 Tagen Restlaufzeit dar. In die Berechnung fliessen sowohl Call-Optionen als auch Put-Optionen ein, wobei der Schwerpunkt auf sogenannten Out-of-the-Money-Optionen liegt.
Out-of-the-Money-Optionen (OTM) sind Optionen, die aktuell keinen inneren Wert besitzen, weil ihr Ausübungspreis (Strike) aus heutiger Sicht wirtschaftlich unattraktiv ist. Das bedeutet: Würde man sie sofort ausüben, entstünde kein Gewinn. Ihr gesamter Preis besteht daher ausschliesslich aus dem Zeitwert. Eine Call-Option ist «out of the money», wenn Ihr Strike über dem aktuellen Marktpreis liegt. Eine Put-Option ist «out of the money», wenn sein Strike unter dem aktuellen Marktpreis liegt.
Genau das macht Out-of-the-Money-Optionen für die Messung von Erwartungen besonders geeignet. Ihr Preis reflektiert fast ausschliesslich Unsicherheit, Zukunftserwartung und Risiko. Insbesondere in Phasen erhöhter Marktunsicherheit steigt die Nachfrage nach OTM-Puts stark an, da Investoren sich gegen mögliche starke Kursrückgänge absichern möchten. Je grösser die Angst vor einem Crash, desto teurer werden diese «Versicherungen». Der VIX misst im Kern genau diese Versicherungsprämien. Da OTM-Optionen nur bei grösseren Marktbewegungen ins Geld laufen, spiegeln sie besonders präzise die Erwartung extremer Schwankungen wider.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Fokussierung auf Optionen mit kurzer Restlaufzeit. Kurzlaufende Optionen besitzen eine hohe Gamma-Sensitivität. Das Gamma beschreibt, wie stark sich das Delta einer Option verändert, wenn sich der Basiswert um ein Prozent bewegt. Ein hohes Gamma bedeutet, dass die Option sehr schnell auf Kursveränderungen reagiert. Zusätzlich weisen kurzfristige Optionen eine hohe Vega-Dynamik relativ zur verbleibenden Laufzeit auf. Vega misst die Sensitivität des Optionspreises gegenüber Veränderungen der impliziten Volatilität. Da kurzfristige Optionen besonders stark auf neue Informationen reagieren, spiegeln sie aktuelle Markterwartungen unmittelbarer wider als langfristige Kontrakte. Tritt ein exogener Schock ein, etwa eine Finanzkrise, eine geopolitische Eskalation oder eine Pandemie, steigt die Nachfrage nach kurzfristigen Absicherungen sprunghaft an. Vor allem kurzlaufende Puts verteuern sich deutlich, wodurch die implizite Volatilität stark anzieht. Ein eindrucksvolles Beispiel war die COVID-19 Pandemie, während der VIX zeitweise auf Werte um 85 anstieg und damit extreme Unsicherheit signalisierte.
Zwischen Ruhe und Panik: Was die VIX-Werte wirklich sagen
Die Interpretation des VIX erfolgt meist über Schwellenwerte. Notierungen unter 15 deuten auf eine Phase geringer Unsicherheit und hoher Marktstabilität hin. Werte zwischen 15 und 30 gelten als normal bis erhöht. Steigt der VIX über 30, spricht man von signifikanter Nervosität. Werte oberhalb von 50 kennzeichnen in der Regel ausgeprägte Stress- oder Krisenphasen. Wichtig ist jedoch, dass der VIX keine Aussage über die Richtung des Marktes trifft. Er misst ausschliesslich die erwartete Intensität der Bewegung, nicht ob diese aufwärts oder abwärts erfolgt.
Insgesamt fungiert der VIX als systemischer Risikoindikator und als unmittelbarer Ausdruck der kollektiven Erwartungshaltung professioneller Marktteilnehmer. Da er auf real gehandelten Optionen basiert, reflektiert er die tatsächliche Zahlungsbereitschaft für Absicherung und nicht bloss Meinungsumfragen oder Stimmungsindikatoren. Er ist damit weniger ein Mass für vergangene Turbulenzen als vielmehr ein Preis für Unsicherheit, ein quantifizierter Ausdruck dessen, wie gross die wahrgenommene Gefahr zukünftiger Marktbewegungen ist.
Eine weitere wichtige Eigenschaft des VIX ist die sogenannte «Mean Reversion», auf Deutsch: Rückkehr zum Mittelwert. Kurz erklärt bedeutet dies, der Indexstand des VIX über lange Frist stets zu seinem Mittelwert zurückkehrt. Dieses Phänomen ist grafisch leicht ersichtlich: Bei Betrachtung historischer Indexstände fällt auf, dass auf starke positive Anstiege stets ein entgegengesetzter Trend folgt, bei dem der Indexstand wieder sinkt. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass der Zeitpunkt, die Geschwindigkeit und das Ausmass dieser Korrekturbewegung schwierig vorherzusehen ist und von diversen Faktoren abhängt. In Zeiten erhöhter Marktunsicherheiten kann der Stand des VIX durchaus über längere Zeit auf einem höheren Level verbleiben.
Mini Futures machen Volatilität zugänglich
Mini Futures auf den VIX ermöglichen es Investoren, direkt auf Veränderungen der erwarteten Marktvolatilität zu setzen, unabhängig von der reinen Kursrichtung des Aktienmarktes.
Ein Long auf den VIX ist eine Strategie, die von steigender Unsicherheit profitiert. Investoren kaufen Long Mini Futures auf den VIX typischerweise als Absicherung gegen plötzliche Markteinbrüche oder geopolitische Schocks. Aufgrund der asymmetrischen Struktur kann bereits ein kurzfristiger Volatilitätsschock zu erheblichen Kursveränderungen führen. VIX Long Mini Futures werden daher oft als «Tail-Risk-Hedge» eingesetzt, also als Schutz gegen extreme Ereignisse.
Ein Short auf den VIX hingegen ist eine Strategie für Szenarien sinkender Unsicherheit. Anleger nutzen Short Mini Futures auf den VIX, wenn sie davon ausgehen, dass sich Marktspannungen abbauen und die implizite Volatilität zurückgeht. Dies ist häufig nach Krisenspitzen der Fall, wenn sich Märkte stabilisieren. Solche Positionen können sich insbesondere in Phasen überhöhter Volatilität eignen, wenn davon ausgegangen wird, dass sich die implizite Volatilität wieder normalisiert.
Für viele Privatanleger war der direkte Zugang zur Anlageklasse der impliziten Volatilität bislang nur eingeschränkt möglich. Um diese Form der Marktpartizipation deutlich zugänglicher zu gestalten, bietet die Bank Vontobel Mini Futures auf den VIX-Index an.
Anleger erhalten damit die Möglichkeit, gezielt an der Entwicklung des Volatilitätsindex zu partizipieren, sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen. Mit diesem Angebot wird ein bislang schwer zugängliches Marktsegment effizient und transparent investierbar gemacht.