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Wie Japan den Franken beeinflussen könnte

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17. Feb. 2026 | 3 Minuten
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Bündel japanischer Yen

Der Schweizer Franken gilt als Stabilitätsanker. Ein starker Frankenkurs drückt die Importpreise und hilft dadurch mit, die Teuerung in der Schweiz tiefzuhalten. Derweil deuten in Tokio fiskal- und geldpolitische Entwicklungen auf eine Phase hin, in welcher der Yen nicht mehr nur als schwache Finanzierungswährung dient, sondern wieder systematisch Nachfrage erhält. Wenn Kapital nach Japan zurückfliessen und Carry-Trades sich auflösen würden, könnte das auch den Franken treffen.

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Der Yen bekommt wieder Rückenwind

Die Yen-Schwäche der letzten Jahre war eng mit Japans Niedrigzinsregime verknüpft. Über lange Zeit lagen die Zinsen in Japan deutlich unter jenen anderer Industrieländer. Das machte den Yen zu einer beliebten Finanzierungswährung: Investoren konnten sich günstig in Yen verschulden und das Geld in höher verzinste Anlagen im Ausland investieren. Dieser Mechanismus, der sogenannte Carry-Trade, setzte den Yen strukturell unter Abwertungsdruck.

Genau an diesem Umfeld wird derzeit gerüttelt. In der zweiten Februarwoche legte der Yen so kräftig zu wie lange nicht mehr und gewann im tiefen einstelligen Prozentbereich gegen Dollar und Euro (Reuters, 13.02.2026).

Ein Treiber ist die veränderte politische Stossrichtung nach dem deutlichen Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi. Marktteilnehmer begannen, Wetten auf einen weiter fallenden Yen teilweise zurückzunehmen, weil fiskalische Disziplin stärker eingepreist wurde und die Behörden zugleich eine härtere Linie gegen spekulative Einbahnbewegungen signalisierten. Japans Währungsdiplomat Atsushi Mimura betonte, man bleibe angesichts der Volatilität wachsam und stehe auch mit den USA in engem Austausch (Reuters, 12.02.2026).

Parallel verschiebt sich der geldpolitische Ton. Die Bank of Japan hat den Leitzins zuletzt bei 0,75 Prozent belassen, doch aus dem Umfeld der Januar-Sitzung waren Warnungen zu hören, ein zu zögerliches Vorgehen könne den schwachen Yen und die Renditen am Anleihemarkt weiter belasten. An den Märkten wurde zeitweise eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent für eine Leitzinsanhebung bis April gehandelt (cash.ch, 02.02.2026).

Wichtig ist zudem die Grössenordnung möglicher Rückflüsse. Japan verfügt über sehr hohe Nettoauslandsvermögen. Ende 2024 lagen diese laut japanischen Daten bei rund 533 Billionen Yen, auch wenn Deutschland Japan im Jahr 2025 nach 34 Jahren als grösste Gläubigernation abgelöst hat (Reuters, 27.05.2025). Wenn sich die Renditestruktur im Inland normalisiert und politische Unsicherheit abnimmt, kann der Anreiz steigen, Auslandsanlagen stärker abzusichern oder Kapital heimzuholen, was die heimische Währung tendenziell stärken könnte.

Entwicklung der Japanischen Inflationsrate und Leitzinssatz im zeitraum von fünf Jahren

Über welche Kanäle der Yen den Franken trifft

Auf den ersten Blick sind Yen und Franken «Gegenstücke»: Beide gelten als defensiv, beide werden in Stressphasen gekauft. Entscheidend ist jedoch, dass Kapital nicht nur in «Sicherheit» flieht, sondern auch zwischen sicheren Anlagen umschichtet. In den letzten Jahren war der Franken der Gewinner, sichtbar etwa in der Entwicklung des Währungspaars CHF/JPY: Im Jahr 2021 lag der Kurs bei rund 120 JPY pro 1 CHF, aktuell notiert er um die 200 JPY pro 1 CHF (TradingView, 13.02.2026).

Der zugrunde liegende Mechanismus lautet wie folgt: Wenn der Yen stärker nachgefragt wird, steigt sein Wert gegenüber anderen Währungen. Für einen Franken erhält man dann weniger Yen als zuvor, weshalb der CHF/JPY-Kurs fällt. Eine solche Bewegung kann besonders dann auftreten, wenn internationale Anleger ihre früheren Finanzierungsstrategien zurückfahren. Viele Investoren hatten sich in der Vergangenheit günstig in Yen verschuldet und das Geld in höher verzinste Anlagen investiert. Wenn sich die Zinsunterschiede verringern oder die Märkte unsicherer werden, werden solche Positionen oft wieder geschlossen. Dafür müssen Investoren Yen zurückkaufen, was die Währung zusätzlich stärkt (Reuters, 07.08.2024)

Wie übersetzt sich das in andere Frankenpaare? Über Dreiecksbeziehungen in der Devisenwelt laufen Bewegungen selten isoliert. Ein stärkerer Yen drückt typischerweise die Kurse von USD/JPY und EUR/JPY. Wenn gleichzeitig Kapital, das zuvor in den Franken floss, in Richtung Yen rotiert, kann auch der Kurs EUR/CHF steigen. Der Euro würde dann relativ stärker werden als der Franken. Ähnliches könnte für USD/CHF gelten, sofern der Franken gegenüber dem Dollar weniger Aufwertungsdruck hat als zuvor. Diese Kombination ist genau das Szenario, welches sich aktuell entwickeln könnte (cash.ch, 10.02.2026).

Kursentwicklung des Währungspaars JPYCHF in den letzten 5 Jahren
Kursentwicklung des Währungspaars JPYUSD in den letzten 5 Jahren

Was diese Entwicklungen für die Schweizer Wirtschaft bedeuten könnten

Für die Schweiz sind solche Entwicklungen relevant für die Preisstabilität. Der Franken war ein zentraler Grund für die sehr tiefe Teuerung, im Januar 2026 lag die Jahresteuerung bei nur 0,1 Prozent, und auch die Kerninflation blieb moderat (+0,5 Prozent) (Handelszeitung, 13.02.2026). Sollte der Franken gegenüber wichtigen Handelspartnern spürbar nachgeben, würden Importpreise weniger stark dämpfen. Das wäre kein Inflationsschock, aber ein Richtungsimpuls, den die Schweizerische Nationalbank in ihrer Lagebeurteilung berücksichtigen könnte.

Umgekehrt würde ein etwas schwächerer Franken Teile der Industrie entlasten, ohne dass die Schweiz sofort ihre Stabilitätsrolle verliert. Die jüngsten Entwicklungen zeigten ohnehin, dass der Franken als sicherer Hafen nicht automatisch im selben Tempo steigt wie andere Krisen-Anlagen. In den vergangenen Monaten war der handelsgewichtete Franken zwar fester, aber der Abstand zu Goldbewegungen war auffällig (FuW, 27.01.2026). 

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