Hochtief und E.ON: Profiteure der Deutschen Infrastruktur-Offensive
Die deutsche Infrastruktur steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Nach Jahren der Unterinvestition zeigen sich bei Strassen, Brücken, Schienen, Energienetzen und digitaler Ausstattung erhebliche Verschleisserscheinungen, während Energiewende, Klimaziele und Digitalisierung einen grundlegenden Umbau der gesamten Systeme erzwingen. Politisch setzt der Bund hier auf eine massive Investitionsoffensive mit neuen Sondervermögen und beschleunigten Genehmigungsverfahren, um Wachstum, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Unternehmen wie Hochtief und E.ON rücken dabei als Schlüsselakteure im Bau- und Energiesektor strategisch ins Zentrum.
Vom Investitionsstau zur Investitionsoffensive: Deutschlands Infrastruktur im Wandel
Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Nach Jahren unzureichender Erneuerung besteht ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf bei Verkehrswegen, Energienetzen, Krankenhäusern und der digitalen Infrastruktur, der durch die Energiewende, die Klimaschutzziele und die Digitalisierung weiter verstärkt wird. Für Unternehmen im Bau-, Energie- und Technologiebereich entsteht dadurch eine langfristig planbare Projektpipeline mit hohen Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit. Seit 2025 setzt Deutschland verstärkt auf zusätzliche Investitionen: 24 Milliarden Euro flossen 2025 aus dem Sondervermögen, wodurch die Bundesinvestitionen gegenüber 2024 um rund 17 Prozent stiegen. Für 2026 sind Bundesinvestitionen von rund 120 Milliarden Euro geplant, davon 58 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen, das langfristig insgesamt 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimatransformation bereitstellt (Bundesministerium der Finanzen: Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität).
Hochtief – Globaler Infrastrukturbauer im Zentrum der öffentlichen Investitionswelle
In diesem Umfeld nimmt Hochtief als international aufgestellter Bau‑ und Infrastrukturkonzern eine zentrale Rolle ein. Das Unternehmen versteht sich als technisch ausgerichteter, globaler Infrastrukturspezialist mit führenden Positionen in Bau, Dienstleistungen und projektbezogener Finanzierung und deckt die Wertschöpfungskette von Planung und Engineering über Bau bis hin zu Betrieb und Instandhaltung ab – häufig in Form von Public-Private-Partnership-Modellen. Hochtief Infrastructure, eine wichtige Einheit innerhalb des Konzerns, realisiert komplexe Verkehrs‑ und Energieprojekte sowie anspruchsvolle Hochbauvorhaben in Europa und schafft damit Grundlagen für «planvolles und nachhaltiges Wachstum der Infrastruktur», etwa durch den Bau von Gebäuden, Brücken, Strassen, Schienenwegen, Tunneln, Flughäfen, Häfen und Anlagen für die Erzeugung konventioneller und erneuerbarer Energie. Angesichts der massiven öffentlichen Investitionen in Verkehrsinfrastruktur – insbesondere in den Schienenverkehr und in die Sanierung maroder Autobahnbrücken – ist Hochtief als erfahrener Grossprojektanbieter gut positioniert, von der anziehenden Nachfrage zu profitieren. Gleichzeitig erschliessen neue Segmente wie Rechenzentren, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität und energieeffiziente Grossgebäude zusätzliche Wachstumspfade, da Hochtief zunehmend an Projekten beteiligt ist, die klassische Bauleistungen mit Energie- und digitalen Komponenten kombinieren. Risiken bleiben Material- und Energiepreisvolatilität, Fachkräftemangel, regulatorische Anforderungen und die Komplexität grosser Projekte, die bei Verzögerungen zu Mehrkosten und Vertragsstrafen führen können; eine internationale Aufstellung in entwickelten Märkten wie Europa, den USA und Australien sorgt jedoch für Diversifikation der Auftragsbasis.
E.ON – Energieinfrastruktur und Netze als Rückgrat der deutschen Energiewende
E.ON wiederum ist einer der zentralen Akteure auf der Seite der Energieinfrastruktur. Nach der Neuordnung des deutschen Energiemarktes konzentriert sich der Konzern stark auf Strom‑ und Gasverteilnetze, intelligente Messsysteme und kundenspezifische Energielösungen für Haushalte, Unternehmen und Kommunen. Infrastrukturell besonders bedeutend sind die umfangreichen Verteilnetzstrukturen, die den Anschluss und die Integration erneuerbarer Erzeugungsanlagen, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ermöglichen und damit das Rückgrat der Energiewende bilden. E.ON investiert kontinuierlich in den Ausbau und die Digitalisierung seiner Netze, um schwankende Einspeisung aus Wind‑ und Solarenergie zu integrieren, Netzengpässe zu reduzieren und Smart-Grid-Funktionen bereitzustellen; der Konzern hat angekündigt, seine Investitionen in die Netzinfrastruktur in den kommenden Jahren weiter zu steigern.
Ausblick: Konvergenz von Bau, Energie und Digitalnetzen bis 2030
Der Ausblick bis 2030 und darüber hinaus ist geprägt von einer zunehmenden Konvergenz klassischer Bauinfrastruktur, Energie- und Digitalnetzen. Verkehrswege werden mit Sensorik, Datenanbindung und Stromversorgung für E-Mobilität ausgerüstet. Quartiere erhalten integrierte Lösungen aus Gebäudeinfrastruktur, Wärme- und Stromversorgung. Ladepunkten und Glasfaser, und Rechenzentren sowie Cloud-Standorte wachsen zu kritischer Grundversorgungsinfrastruktur heran. Für Hochtief bedeutet dies, dass Projekte komplexer, ganzheitlicher und technologieintensiver werden, wodurch die Bedeutung integrierter Planung und lebenszyklusorientierter Modelle zunimmt; der Konzern ist mit seiner technischen Ausrichtung, BIM-Kompetenz und PPP-Erfahrung grundsätzlich gut vorbereitet, muss aber zugleich in Digitalisierung, Nachhaltigkeitsstandards und Fachkräfteentwicklung investieren, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Für E.ON liegt der Schwerpunkt auf resilienten, hochdigitalisierten Netzen, die sowohl die volatile Einspeisung aus erneuerbaren Energien als auch steigende Lasten durch Elektrifizierung tragen, gleichzeitig, aber hohen Anforderungen an Versorgungssicherheit und Cybersicherheit genügen müssen. Entscheidend wird sein, dass der Regulierungsrahmen ausreichend attraktive Renditen auf diese gewaltigen Investitionen ermöglicht und gleichzeitig die Akzeptanz bei Verbrauchern gewahrt bleibt. Insgesamt ist Infrastruktur damit im kommenden Jahrzehnt ein strukturelles Wachstumsfeld, in dem Bau‑ und Projektkonzerne wie Hochtief und Energieinfrastruktur-Spezialisten wie E.ON zu zentralen Profiteuren der staatlichen und privaten Investitionsoffensive werden können – vorausgesetzt, sie steuern Projekt-, Kosten- und Regulierungsrisiken konsequent und nutzen die Chancen der Digitalisierung und Dekarbonisierung ihrer Geschäftsmodelle.