Rohstoffmärkte starten fulminant ins neue Jahr
Der Rohstoffmarkt ist mit einem Paukenschlag ins Jahr 2026 gestartet. Energiepreise drehten nach Monaten des Abwärtsdrucks nach oben, Industriemetalle notieren trotz verhaltener chinesischer Nachfrage ebenfalls zu höheren Preisen, und Edelmetalle erlebten erst neue Rekorde, dann einen abrupten Abverkauf Ende Januar. Hinter den Kulissen steht ein Zusammenspiel aus Geopolitik, Marktdynamiken und physischen Engpässen. Für eine Einordnung ist entscheidend, welche Impulse strukturell sind und welche nur kurzfristig wirken.
Überangebot im Ölmarkt
Rohöl hat im Januar eine klare Aufwärtsbewegung gezeigt. Der Preisauftrieb speiste sich vor allem aus geopolitischen Risiken rund um den Iran und aus Störungen im Angebot, etwa durch wetterbedingte Produktionsausfälle in den USA sowie zeitweise geringere Exporte aus Venezuela und Kasachstan. Parallel zeigte der Markt, wie schnell Risikoaufschläge wieder eingepreist werden können, sobald das Szenario einer Störung zentraler Transitrouten wie der Strasse von Hormus plausibler wirkt (Reuters, 29.01.2026).
Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass dieser Risikoaufschlag im Ölmarkt auf ein Umfeld treffen könnte, welches ein fundamentales Überangebot verzeichnet. Die International Energy Agency (IEA) verweist in ihrem Januar-Bericht auf gut versorgte Märkte und sieht für 2026 weiterhin einen deutlichen Angebotsüberschuss (IEA, 21.01.2026). Dies puffert Schocks ab, dämpft aber auch das Aufwärtspotenzial, sofern keine länger anhaltende Unterbrechung eintritt. S&P® Global berichtet mit Verweis auf die IEA von steigender «schwimmender» Lagerung, vor allem bei sanktionierten Fässern aus Russland, Iran und Venezuela (S&P® Global, 21.01.2026). Hinweis: Als schwimmende Lagerung bezeichnet man Öl, das nicht sofort verkauft oder verarbeitet wird und deshalb vorübergehend auf Schiffen verbleibt, bis sich ein Käufer oder eine bessere Marktlage findet.
Für die Einordnung heisst das: Kurzfristige Preisanstiege im Rohölmarkt bleiben möglich, weil geopolitische Risiken bestehen bleiben. Mittelfristig könnte jedoch der Balanceakt zwischen Risikoaufschlag und realer Angebotslage die Preisspanne begrenzen.
Mini Futures auf den Brent Crude Oil Future
Achterbahnfahrt im Edelmetallmarkt
Bei Edelmetallen war der Januar ausserordentlich ereignisreich: Gold und Silber markierten zunächst neue Rekorde, bevor es Ende Januar zu einem massiven Ausverkauf kam. Insbesondere spekulative Zuflüsse aus China, steigende Margenanforderungen an Börsen (Die Börse (insb. CME) hat die Sicherheitsleistungen (Margin) für Edelmetalle wie Gold und Silber Anfang Februar 2026 drastisch erhöht. Grund sind extreme Kursschwankungen, wodurch Händler nun deutlich mehr Kapital für ihre Positionen hinterlegen müssen) und eine abrupte Dollaraufwertung im Umfeld der Nominierung eines neuen Fed-Chefs, lösten den Ausverkauf aus. Dass ETF-Flows dennoch in dieselbe Richtung wie der langfristige Goldtrend zeigen, unterstreicht die Trennung zwischen kurzfristigem Lärm und strategischer Nachfrage: Im Januar flossen netto 4.39 Mrd. US-Dollar in Edelmetall-ETFs, während Goldminen-ETFs 3.62 Mrd. USD anzogen (Reuters, 02.02.2026).
Die mittelfristige Stütze für Gold bleibt vor allem die Nachfrage öffentlicher Akteure. Der World Gold Council berichtet, dass Zentralbanken 2025 netto 863 Tonnen Gold kauften, während JPMorgan gemäss Reuters (02.02.2026) prognostiziert, dass sich die Zentralbanknachfrage auch 2026 rund um 800 Tonnen bewegen könnte. In diesem Kontext wirkt eine Korrektur weniger wie ein kompletter Trendbruch.
Der Silberpreis muss jedoch davon ausgenommen werden. Da der Preis aktuell vor allem von spekulativen Strömen getrieben wird und die industrielle Nachfrage zugleich unter Effizienzdruck steht, etwa durch geringere Silberbeladung in Solaranwendungen, steigt die Volatilität strukturell. Das ruft nach einer Differenzierung: Gold bleibt eher «Versicherung» im Rohstoffkorb, Silber eher ein Trading-Markt.
Auch die Preise für Industriemetalle befanden sich in einer Aufwärtsbewegung, aber die Begründung war ambivalent. Der Kupferpreis sprang Ende Januar auf Rekordstände, getrieben durch einen schwachen Dollar und spekulative Nachfrage, obwohl Lagerbestände global nicht knapp wirkten (Reuters, 29.01.2026). Genau hier liegt das Risiko: Hohe Preise bremsen den Verbrauch in der Realwirtschaft, während die Preisdynamik von Finanzströmen getragen wird. Das macht den Sektor anfällig, falls sich der Edelmetallkomplex drehen und der Risikoappetit abnehmen würde.
Mini Futures auf Gold, Silber oder den Kupfer Future
Agrarrohstoffe
Im Agrarrohstoffkomplex dominierten im Januar weniger Knappheitssignale als politische und wettergetriebene Impulse. Getreide legte moderat zu, wobei insbesondere Sojaöl als Preistreiber auffiel. Ausschlaggebend war weniger die Lage auf den Feldern als vielmehr die enge Kopplung an den Energiemarkt und die Erwartung steigender Biokraftstoffquoten. Sojaöl dient in den USA als wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Biodiesel, einem Kraftstoff, der fossilem Diesel beigemischt wird.
Die U.S. Environmental Protection Agency arbeitet derzeit an höheren Beimischungsvolumina für Biokraftstoffe, inklusive einer deutlich ausgeweiteten Bandbreite für Biomass-Diesel im Jahr 2026 (Reuters, 15.01.2026).
Diese regulatorischen Vorgaben erhöhen die strukturelle Nachfrage nach pflanzlichen Ölen, da Biodiesel und erneuerbarer Diesel in direkter Konkurrenz zu fossilem Diesel stehen. Sojaöl wird dadurch zunehmend preislich an Rohöl und Raffineriemargen gekoppelt. Steigende Energiepreise oder höhere Quoten verbessern die Wirtschaftlichkeit der Biodieselproduktion und rechtfertigen höhere Inputpreise. In der Folge verschieben sich die Preisrelationen im Sojakomplex: Sojaöl wird stärker als Energierohstoff gehandelt und verliert relativ an Bindung an klassische Nahrungsmittel- und Futtermärkte.
Gleichzeitig bleibt die globale Versorgungslage bei Weizen und Sojabohnen komfortabel. Dazu passt, dass China zugesagte Käufe von 12 Mio. Tonnen US-Sojabohnen erfüllt hat, während der Blick für das laufende Quartal wieder stärker auf Südamerika und Brasilien gerichtet ist (Reuters, 20.01.2026). In Summe spricht das eher für Druck auf Ware aus US-amerikanischem Ursprung, sofern Südamerika wetterbedingt keine grösseren Ausfälle verzeichnet.
Bei Soft Commodities zeigte sich die andere Seite der Rohstoffgleichung: Nicht Knappheit, sondern Nachfrageschwäche kann Preise abrupt drehen. Kakao fiel im Januar kräftig, gestützt durch enttäuschende Verarbeitungszahlen, die auf eine gedämpfte Nachfrage hindeuten (Nasdaq, 16.01.2026). Kaffee blieb volatil, tendierte aber ebenfalls schwächer.