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Constant Leverage Zertifikate: Funktionsweise

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Vontobel Markets
23. Okt. 2023 | 4 Minuten
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Mit Constant Leverage Zertifikaten können Anleger überproportional an der Wertentwicklung eines Referenzwerts partizipieren – und zwar mit einem konstanten Hebel – was die Besonderheit des Produkttyps darstellt. Mit Long Constant Leverage Zertifikaten können Anleger auf steigende Kurse setzen, mit Short Produkten auf fallende. Geeignet sind die Produkte für einen kurzfristigen Anlagehorizont, nicht dagegen für eine Buy-and-hold-Strategie. Zudem ermöglichen Constant Leverage Zertifikate Anlegern den Zugang zu vielen Anlageklassen, denn es steht eine breite Auswahl an Referenzwerten zur Verfügung: Aktien, Indizes, Edelmetalle, Rohstoffe, Währungen, Zinsen und Volatilität.

Funktionsweise Constant Leverage Zertifikate

Kurzfristig orientierte Anleger können mit Constant Leverage Zertifikaten überproportional an der täglichen Wertentwicklung eines Referenzwerts partizipieren. Im Vergleich zu einer Direktinvestition benötigt ein Constant Leverage Zertifikat einen geringeren Kapitaleinsatz, was zu einer Hebelwirkung führt.

Eine zentrale Eigenschaft dieser Produktkategorie ist der konstante Hebel. Während sich der Hebel bei anderen Produkten wie Warrants, Warrants mit Knock-Out und Mini-Futures ändern kann, bleibt der Hebelfaktor bei einem Constant Leverage Zertifikat unverändert. Wie stark ein Anleger von der Wertentwicklung partizipiert, hängt somit vom Hebel (engl. Leverage) ab.

Der Hebel beschreibt, wie stark ein Produkt auf die Wertveränderungen des Referenzwerts reagiert. Dies ermöglicht eine überproportionale Partizipation. Je höher der Hebel, desto tiefer ist der Kapitaleinsatz des Anlegers gemessen am Gesamtwert des Referenzwerts.

Für das Produktverständnis ist es wichtig zu erwähnen, dass das handelbare Constant Leverage Zertifikat nicht direkt auf den Referenzwert lautet, sondern ein Zwischenschritt erfolgt  ist, um den konstanten Hebel gewährleisten zu können. Jedem Constant Leverage Zertifikat liegt ein Faktor-Index zugrunde. Faktor-Indizes bilden eine theoretische Anlage in einen Referenzwert nach, wobei Kursbewegungen des Referenzwerts durch den Faktor (Hebel) vervielfacht werden. Das Constant Leverage Zertifikat bildet die Wertentwicklung des Faktor-Index ab, unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses und der Handelswährung. Auf den zugehörigen Faktor-Index wird auf der Produktseite verwiesen.

Der Zusammenhang der drei Komponenten eines Constant Leverage Zertifikats ist in der nachfolgenden Grafik abgebildet.

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Aufbau eines Constant Leverage Zertifikates

Für die Berechnung des Indexstandes ist die Veränderung des aktuellen Referenzwertkurses gegenüber dem letzten Bewertungskurs relevant. Der Bewertungskurs wird börsentäglich ermittelt und wird je nach Anlageklasse oder Referenzwertkategorie zu unterschiedlichen Zeiten festgelegt. Für Aktien und Aktienindizes findet die Bewertung normalerweise zu Börsenschluss statt. Die genauen Bewertungszeiten können auf der Produktseite unter «Anpassungszeiten» eingesehen werden.

Besonderheiten von Constant Leverage Zertifikaten

Die Produkte bieten eine überproportionale Partizipation an der Wertentwicklung eines Referenzwerts, indem die tägliche prozentuale Kursbewegung mit dem konstanten Faktor multipliziert wird. Mit «Long» Produkten kann auf steigende Kurse gesetzt werden, mit «Short» Produkten auf fallende.

Die Volatilität hat keinen direkten Einfluss auf die Preisbildung. Zudem besitzen Constant Leverage Zertifikate keine feste Laufzeit (Open-End).

Es ist wichtig zu erwähnen, dass der Hebel in beide Richtungen wirkt, sodass sowohl überproportionale Gewinne als auch entsprechende Verluste bis hin zum Totalverlust aus der Anlage resultieren können. Ein besonderes Merkmal eines Constant Leverage Zertifikats ist die Schwelle. Die Schwelle bezieht sich auf den Referenzwert. Sie gibt an, bei welcher Wertentwicklung des Referenzwerts seit der letzten Bewertung eine untertägige Indexanpassung stattfindet. Die Schwelle wird in Prozent angegeben, ihr absoluter Wert wird nach jeder Bewertung festgelegt. Für Long Produkte beschreibt die Schwelle die maximal zulässige negative Wertveränderung des Referenzwerts seit der letzten Bewertung, bevor eine untertägige Indexanpassung erfolgt. Für Short Produkte beschreibt die Schwelle die maximal zulässige positive Wertveränderung des Referenzwerts seit der letzten Bewertung, bevor eine untertägige Indexanpassung erfolgt. Wenn die Schwelle erreicht wird, findet eine untertägige Indexanpassung statt und ein neuer Bewertungskurs sowie eine neue (absolute) Schwelle werden festgelegt. Der absolute Wert der Schwelle wird nach einer regulären, täglichen Indexbewertung und nach einer möglichen untertägigen Indexanpassung neu festgelegt. Die Schwelle existiert, um einen sofortigen Totalverlust zu vermeiden.

Ein Constant Leverage Zertifikat hebelt tägliche Renditen. Deshalb kann die längere Wertentwicklung des Referenzwerts nicht mit einem Faktor multipliziert werden, um die Wertentwicklung des Constant Leverage Zertifikats zu ermitteln. Die korrekte Berechnung beinhaltet die Ermittlung jeder einzelnen, täglichen Wertentwicklung des Referenzwerts bezogen auf den letzten Bewertungskurs. Die Verkettung von Tagesrenditen führt zu einer Pfadabhängigkeit.

Die Bedeutung eines klaren, stetigen Kurstrends oder einer Seitwärtsbewegung auf die Wertentwicklung werden in den folgenden zwei Beispielen dargestellt. Ebenfalls zeigen die beiden Beispiele die Eigenschaft der Pfadabhängigkeit.

Hinweis: Einfachheitshalber wird nur die Hebelkomponente aufgezeigt, ohne die Finanzierungskomponente in die Berechnung aufzunehmen.

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Beispiel Constant Leverage Zertifikat

Kosten von Constant Leverage Zertifikaten

Die Strategie eines Faktor-Index (Long) bildet eine mehrfache Investition in den Referenzwert entsprechend des Hebels (Faktors) nach. Die Kosten eines Constant Leverage Zertifikats setzen sich aus zwei Komponenten zusammen.

Die Finanzierungskosten für einen Long Faktor-Index Long setzen sich aus dem aktuellen Tageszinssatz plus einem Finanzierungsspread zusammen. Aus diesem Grund hat die Faktorfinanzierung einen wertmindernden Einfluss.

Bei einem Short-Produkt wird der Referenzwert entsprechend seinem Hebel (Faktor) leerverkauft. Kombiniert mit dem Finanzierungsspread wird dieser Betrag zum aktuellen Tageszinssatz angelegt und wirft so einen Ertrag ab.

Die zweite Finanzierungskomponente, die Indexgebühr, wird sowohl für Long und Short Indizes fällig.

Breite Auswahl an Anlageklassen

Constant Leverage Zertifikate gibt es auf eine Vielzahl von Referenzwerten aus verschiedenen Anlageklassen. Die abgebildeten Anlageklassen reichen von Aktien, Aktienindizes, Rohstoffe, Edelmetalle, Zinsinstrumenten, Währungspaaren bis hin zu Volatilitätsindizes.

Vor- und Nachteile von Constant Leverage Zertifikaten

Vorteile eines Constant Leverage Zertifikats

  • Partizipation mit konstantem Faktor (Hebel)
  • Volatilität fliesst nicht in Preisbildung mit ein
  • Keine Laufzeitbegrenzung (Open-End), aber Kündigungsrecht des Emittenten
  • Vereinfachte Produktauswahl, Faktor als Differenzierung

 

Risiken eines Constant Leverage Zertifikats

  • Marktrisiko des Basiswerts
  • Hebel wirkt in beide Richtungen
  • Überproportionaler Verlust bis hin zu Totalverlust möglich
  • Ungeeignet für Seitwärtsmärkte bzw. Marktphasen ohne stetigen Kurstrend
  • Untertägige Indexpassung bei stark nachteiligen Bewegungen des Referenzwerts ist vergleichbar mit einer sofortigen Realisierung des Verlustes. Eine mögliche Erholung im weiteren Verlauf wird dadurch erschwert.
  • Kündigungsrecht des Emittenten: Der Emittent kann die Produkte mit einer bestimmten Frist kündigen und dadurch die Laufzeit beenden. Das führt zur Rückzahlung des aktuellen Werts zu dem bestimmten Termin.
  • Währungsrisiko, falls die Währung des Referenzwerts von der Produktwährung abweicht
  • Emittentenrisiko (Ausfall des Emittenten)

FAQs

Für welche Marktphase sind Constant Leverage Zertifikate geeignet?

Constant Leverage Zertifikate entfalten ihre Wirkung, wenn der Referenzwert einem klaren, stetigen Trend folgt. Zudem eignet sich eine Anlage für einen kurzen Anlagehorizont (untertägig oder wenige Tage).

Sind die Zeitpunkte zur Ermittlung des Bewertungskurses unterschiedlich?

Der Bewertungszeitpunkt hängt von der Anlageklasse und dem Referenzwert ab. Dementsprechend gibt es verschiedene Bewertungszeitpunkte. Eine Übersicht der verschiedene Bewertungszeitpunkte kann auf der Produktdetailseite abgerufen werden.

Was passiert, wenn die Schwelle erreicht wird?

Für den Fall, dass der Referenzwert die für den Faktor-Index relevante Schwelle erreicht, findet eine untertägige Indexanpassung statt. Dabei werden ein neuer Bewertungskurs sowie eine neue Schwelle festgelegt. Dieser neue Bewertungskurs dient als Basis für die Ermittlung der nachfolgenden Wertentwicklung.

In einem solchen Fall findet die untertägige Indexanpassung zusätzlich zur regulären, täglichen Ermittlung des Bewertungkurses statt.

Wieso ist die Pfadabhängigkeit ein wichtiges Merkmal eines Constant Leverage Zertifikats?

Ein Constant Leverage Zertifikat bzw. ein Faktor-Index hebelt die täglichen Renditen eines Referenzwerts. Für die Berechnung des Faktor-Index ist die Veränderung des Referenzwertkurses gegenüber dem letzten Bewertungskurs relevant. Grundsätzlich wird an jedem Handelstag ein neuer Bewertungskurs festgestellt, welcher die Basis für die Ermittlung der Wertveränderung für den Folgetag ist. 

Eine Pfadabhängigkeit entsteht, weil die täglichen Wertveränderungen miteinander verknüpft werden. Die Wertentwicklung eines Constant Leverage Zertifikats wird nicht nur durch die Wertentwicklung des Referenzwerts zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmt, sondern es ist auch entscheidend, wie diese Wertentwicklung auf dem «Pfad» dorthin in den verschiedenen Perioden zustande kommt.