Tesla hebt ab: Zwischen Show und Fusion
Tesla hat seinen neuen Roadster gezeigt, und die Vorführung bot einiges an Technik. Doch der eigentliche Gesprächsstoff liegt gerade woanders. Tesla und SpaceX prüfen einen möglichen Zusammenschluss, und Elon Musk hat dies nun selbst bestätigt. Beide Unternehmen sind an der Börse jeweils über eine Billion Dollar wert. Ein solcher Schritt hätte deshalb Gewicht weit über die Autobranche hinaus. Offen ist, was der Roadster mit dieser Idee zu tun hat und was ein Deal für Anleger bedeuten könnte.
Ein Roadster als Bühne
Der Prototyp zeigte zwei Kunststücke. Zuerst fuhr er eine Rampe hoch und drehte sich in der Luft, danach sprang er ohne Rampe über fünf parkende Tesla Fahrzeuge, darunter ein Lastwagen vom Typ Semi (Watson, 19.10.2026). Das Spektakel richtet sich an Fans und Investoren zugleich. Es lenkt auch davon ab, dass der 2017 angekündigte Roadster bis heute nie ausgeliefert wurde.
Kritik kam vom Informatikprofessor Yann LeCun. Er nannte die Vorführung eine «nette Demo, aber völlig unpraktikabel». Ein solches Auto müsste bei Gewicht und Platz grosse Kompromisse eingehen. Für Diskussionen sorgen auch die Anzahlungen. Schon für die Variante «Thrust» werden 245 000 Euro fällig (Watson, 19.10.2026). Das erinnert an den 2017 vorgestellten Roadster, für den ebenfalls Geld floss.
Geplant sind drei Ausführungen. Nur die Variante «Rocket» mit Kaltgasdüsen kann kurze Strecken in der Luft zurücklegen. Eine Zulassung für die Strasse ist nicht absehbar (Watson, 19.10.2026). Die Düsen stammen von SpaceX, und die Produktion soll laut Musk 2028 beginnen (FuW, 21.10.2026). Der Roadster zeigt damit im Kleinen, wie eng beide Firmen bereits zusammenarbeiten.
Die Fusion rückt näher
Wie weit diese Nähe reichen könnte, zeigt die jüngste Ankündigung von Musk. Er bestätigte in der Videokonferenz zu den SpaceX Quartalszahlen, dass beide Firmen Ausschüsse gebildet haben. Das geschah auf Wunsch von Aktionären. Er selbst ist wegen möglicher Interessenkonflikte nicht dabei. Eine Fusion hält er persönlich für eine gute Idee. Von «Sicherheit» wollte er aber nicht sprechen. Auf Tesla-Seite bräuchte es die Zustimmung von mindestens der Hälfte aller Aktionäre (FuW, 21.10.2026).
Ganz neu ist der Gedanke nicht. Schon im Sommer liess Musk die Tür offen und sprach von «mehr und mehr Überschneidungen» der beiden Unternehmen (Reuters, 22.07.2026). Ein Beispiel dafür ist die gemeinsam geplante Chipfabrik Terafab, deren Gelände derzeit erst vorbereitet wird (FuW, 21.10.2026).
Für eine solche Verbindung gibt es auch inhaltliche Argumente. Der Investor Gene Munster verweist darauf, dass Tesla besitzt, was SpaceX bisher fehlt. Gemeint sind Fahrzeuge und Roboter, mit denen sich künstliche Intelligenz in realen Anwendungen einsetzen lässt (FuW, 21.10.2026).
Die Anleger scheinen allerdings nicht mit einem grossen Aufschlag zu rechnen. Die Tesla Aktie legte vorbörslich nur 1,5 Prozent zu (FuW, 21.10.2026). Entscheidend dürfte auch die Machtfrage sein. Bei SpaceX kontrolliert Musk das Unternehmen dank Aktien mit mehr Stimmrechten. Bei Tesla fehlt ihm diese Absicherung. Analysten sehen darin eine zusätzliche Hürde für die Tesla Aktionäre (Reuters, 22.07.2026). Hinzu kommt das Aktienpaket, das die Aktionäre Musk im vergangenen Jahr in Aussicht stellten. Es ist an sehr hohe Ziele geknüpft, die aktuell kaum realistisch wirken. Bei einer Übernahme würden diese Vorgaben hinfällig (FuW, 21.10.2026).
Hohe Bewertungen, hohe Erwartungen
Mit mehr als 1.9 Billionen Dollar für SpaceX und rund 1.48 Billionen Dollar für Tesla (FuW, 21.10.2026) stützen sich die Kurse stark auf künftige Erfolge. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, liess sich zuletzt bei SpaceX prüfen.
Das Unternehmen verbuchte einen Gewinn von 4.4 Milliarden Dollar. Im gleichen Quartal des Vorjahres stand noch ein Verlust von gut einer Milliarde Dollar. Auch das Geschäftsmodell hat sich verschoben. SpaceX begann mit Raketenstarts, doch dieses Geschäft wuchs zuletzt nur um sechs Prozent. Getragen wird das Wachstum heute vom Satelliteninternet Starlink und von Rechenzentren für künstliche Intelligenz, die auch an Anthropic und Google vermietet werden. Die Umsätze aus dem Geschäft mit KI-Rechenzentren stiegen innerhalb eines Jahrs von 0.8 Milliarden auf 7.6 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz lag damit deutlich über den Erwartungen der Analysten (FuW, 21.10.2026).
Für Tesla Aktionäre dürfte sich die Frage stellen, ob ein Zusammenschluss die Risiken mindert oder bündelt. Denkbar wäre, dass ein Konzern mit Autos, Robotern, Raketen und Rechenzentren neue Synergien erschliesst. Ebenso lässt sich argumentieren, dass sowohl die Komplexität des Konzerns und als auch die Abhängigkeit von Elon Musk weiterwachsen würden. Der Roadster zeigt, wie groß die Ambitionen sind und wie lange ihre Umsetzung dauern kann. Wie die Ausschüsse entscheiden, bleibt vorerst offen.