Was nach dem ersten Duft bleibt
Wer durch eine Parfümerie geht, achtet meist auf den Namen auf dem Flakon und selten darauf, wer den Duft dahinter entwickelt hat. Dabei stammen viele Parfüms, aber auch viele Aromen in Lebensmitteln aus den Labors eines kleinen Kreises von Spezialisten, zu dem der Schweizer Konzern Givaudan gehört. In diesem Jahr entwickeln sich seine beiden Geschäftsfelder unterschiedlich: Das Parfümgeschäft läuft gut, und die Aromen erholen sich allmählich. Das wirft die Frage auf, wie belastbar dieser Verlauf ist.
Parfüm trägt den Konzern
Im dritten Quartal wuchs Givaudan organisch um 8,6 Prozent, nach 2,8 Prozent im ersten und 4,3 Prozent im zweiten Quartal. Die Analysten hatten im Schnitt mit 4,7 Prozent gerechnet, die Einzelschätzungen reichten von 1,7 bis 6,7 Prozent (FuW, 13.10.2026). Die Division Fragrance & Beauty entwickelt Düfte für die Parfüm, Kosmetik und Konsumgüterindustrie und ist derzeit der wichtigste Wachstumstreiber von Givaudan. Im dritten Quartal wuchs die Sparte organisch um 13,5 Prozent. Über die ersten neun Monate legte die Feinparfümerie um 15,3 Prozent zu. Das ist bemerkenswert, da die Vergleichsbasis nach mehreren starken Jahren bereits hoch war. Die Wirkstoffe der Sparte Beauty Care entwickelten sich dagegen schwächer und gingen um 2,5 Prozent zurück (Premium Beauty News, 13.10.2026).
Ein Teil der Dynamik ist auf Bestellungen zurückzuführen, die erst im dritten Quartal verbucht wurden. Analysten sehen die Nachfrage jedoch auch unabhängig davon als robust an (AWP, 13.10.2026). Für die Beurteilung der Entwicklung ist zudem entscheidend, woher das Wachstum stammt. Es wurde vor allem durch höhere Absatzmengen getragen, während Preiseffekte eine untergeordnete Rolle spielten. Preisanpassungen zur Kompensation gestiegener Kosten wurden durch Rückerstattungen amerikanischer Zölle weitgehend ausgeglichen (FuW, 13.10.2026).
In Franken wirkt die Entwicklung weniger spektakulär. Bei einem Umsatz von 5.89 Milliarden Franken in den ersten neun Monaten resultierte ein organisches Wachstum von 5,2 Prozent, während der Zuwachs in Berichtswährung lediglich 2,6 Prozent betrug (Premium Beauty News, 13.10.2026).
Aromen: Die Erholung braucht Geduld
Weniger dynamisch entwickelt sich das Geschäft mit Aromen für Lebensmittel und Getränke. In der Division Taste & Wellbeing beschleunigte sich das organische Wachstum im dritten Quartal auf 3,5 Prozent, nachdem es im ersten Halbjahr lediglich 0,5 Prozent betragen hatte (blue News, 13.10.2026). Givaudan spricht von einer Verbesserung von Quartal zu Quartal, die den eigenen Erwartungen entspricht. In Franken bleibt das Bild jedoch verhalten. Über die ersten neun Monate lag der Umsatz weiterhin 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert (AWP, 13.10.2026).
Trotz der Fortschritte bestehen mehrere Herausforderungen. In Nordamerika belastet weiterhin der Bereich Health and Functional, der inzwischen organisatorisch von der Sparte getrennt wurde und für den verschiedene strategische Optionen diskutiert werden (FuW, 13.10.2026). Auch in Europa verläuft die Entwicklung bisher verhalten. Das Aromengeschäft der Region wuchs 2025 noch um 2,6 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 jedoch nur noch um 0,3 Prozent. Beide Themen dürften am Kapitalmarkttag in den Niederlanden im Fokus stehen (Cash.ch, 12.10.2026).
Die Bewertung nach dem Kurssprung
Die Börse reagierte positiv auf die Quartalszahlen. Die Aktie gewann am Berichtstag im frühen Handel 6,7 Prozent und kletterte auf 3 723 Franken. Seit Jahresbeginn steht sie damit rund 12 Prozent im Plus. Über fünf Jahre betrachtet notiert sie jedoch weiterhin 17 Prozent unter ihrem damaligen Niveau (AWP, 13.10.2026). Auch die Branche profitierte: Die Aktien von DSM Firmenich, Symrise und Novonesis legten im frühen Handel zwischen 1,6 und 3,1 Prozent zu (Reuters, 13.10.2026).
Entscheidend ist nun die Frage der Bewertung. Im April wurde die Aktie mit einem Abschlag zu ihrem historischen Bewertungsniveau gehandelt (Reuters, 14.04.2026). Nach dem jüngsten Kursanstieg bleibt die weitere Bewertungsentwicklung zu beobachten. Zusätzliche Anhaltspunkte dürften die Jahresergebnisse liefern, die Givaudan Ende Januar 2027 veröffentlichen will (AWP, 13.10.2026).
Eng damit verbunden ist die Frage nach der Nachhaltigkeit des Wachstums. Als Massstab dient das Ziel des Konzerns, über die fünfjährige Strategieperiode im Schnitt 4 bis 6 Prozent organisch zu wachsen, dass er mit den Quartalszahlen bekräftigte (Investing.com, 13.10.2026). Ob er dieses Tempo halten kann, dürfte vor allem davon abhängen, ob sich das Aromengeschäft weiter erholt und die Feinparfümerie ihre Dynamik beibehält. Gelänge beides, spräche einiges für eine Bestätigung des Ziels, in den schwächeren Bereichen bliebe der Beweis aber noch zu erbringen.