Wie die Digitalisierung die Verteidigungsindustrie verändert
Steigende Verteidigungsausgaben werden häufig mit der Beschaffung von Fahrzeugen, Flugzeugen oder Waffensystemen in Verbindung gebracht. Gleichzeitig gewinnt die Digitalisierung moderner Streitkräfte an Bedeutung. Software, Datenanalyse, Cybersicherheit und vernetzte Kommunikationssysteme entwickeln sich zu wichtigen Bausteinen militärischer Fähigkeiten und rücken damit auch aus Anlegersicht zunehmend in den Fokus.
Software gewinnt im Verteidigungssektor an Bedeutung
Wenn über steigende Verteidigungsausgaben gesprochen wird, denken viele Anleger zunächst an Panzer, Kampfflugzeuge oder andere klassische Rüstungsgüter. Parallel dazu entwickelt sich jedoch ein weiterer Bereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt: Verteidigungssoftware. Moderne Streitkräfte setzen verstärkt auf digitale Technologien, um Informationen schneller auszuwerten, Systeme miteinander zu vernetzen und Entscheidungsprozesse zu unterstützen (Palantir Technologies Annual Report 2025, 17.02.2026; Thales Consolidated Financial Statements 2025, 31.12.2025).
Die zunehmende Digitalisierung verändert damit nicht nur die Art und Weise, wie militärische Operationen geplant und durchgeführt werden, sondern auch die Anforderungen an die Unternehmen, die entsprechende Lösungen bereitstellen (Palantir Technologies Annual Report 2025, 17.02.2026; Thales Consolidated Financial Statements 2025, 31.12.2025).
Daten werden zu einem wichtigen Faktor moderner Streitkräfte
Moderne Verteidigungssysteme erzeugen grosse Mengen an Informationen. Diese stammen unter anderem aus Satelliten, Aufklärungsdrohnen, Radarsystemen oder Kommunikationsnetzwerken. Die Herausforderung besteht darin, die Daten in möglichst kurzer Zeit zu verarbeiten und relevante Erkenntnisse daraus abzuleiten (Palantir Technologies Annual Report 2025, 17.02.2026).
Hier kommen spezialisierte Softwarelösungen zum Einsatz. Sie unterstützen dabei, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und übersichtlich darzustellen. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse zu verbessern und ein umfassenderes Lagebild zu schaffen. Entsprechend investieren zahlreiche Staaten in digitale Fähigkeiten, die klassische militärische Ausrüstung ergänzen (Palantir Technologies Annual Report 2025, 17.02.2026).
Welche Unternehmen könnten von dieser Entwicklung betroffen sein?
Im Bereich digitaler Verteidigungstechnologien sind verschiedene Unternehmen aktiv. Zu den bekanntesten Vertretern zählt Palantir Technologies, dessen Softwarelösungen unter anderem zur Analyse und Verknüpfung grosser Datenmengen eingesetzt werden. Das Unternehmen arbeitet seit vielen Jahren mit Behörden und Verteidigungseinrichtungen zusammen und gilt als einer der prominentesten Anbieter im Bereich datengetriebener Entscheidungsunterstützung (Palantir Technologies Annual Report 2025, 17.02.2026).
Das Government-Segment, zu dem auch Verteidigungs- und Sicherheitsbehörden zählen, steigerte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2025 von 1.57 Milliarden USD auf 2.43 Milliarden USD, was einem Wachstum von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Umsatz mit US-Regierungsbehörden erhöhte sich im selben Zeitraum von 958 Millionen USD auf 1.60 Milliarden. USD und wuchs damit um 67 Prozent Die Entwicklung verdeutlicht die zunehmende Bedeutung von daten und KI-gestützten Analyseplattformen im staatlichen und verteidigungsnahen Umfeld (Palantir Technologies Annual Report 2025, 17.02.2026).
Auch der französische Technologiekonzern Thales ist in diesem Markt aktiv. Das Unternehmen bietet unter anderem Lösungen für Kommunikation, Sensorik, Cybersicherheit und Verteidigungselektronik an. Durch seine breite Aufstellung ist Thales in verschiedenen Bereichen der digitalen Verteidigungsinfrastruktur vertreten (Thales Consolidated Financial Statements 2025, 31.12.2025).
Das Geschäftsfeld Cyber & Digital steigerte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2025 von 3.49 Milliarden EUR auf 3.85 Milliarden EUR, was einem Wachstum von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragseingang in diesem Bereich von 3.62 Milliarden. EUR auf 3.87 Milliarden EUR und legte damit um rund 7 Prozent zu. Die Entwicklung deutet auf eine anhaltende Nachfrage nach Cybersecurity-, Daten- und Digitalisierungslösungen im sicherheitsrelevanten Umfeld hin (Thales Consolidated Financial Statements 2025).
Der italienische Konzern Leonardo verfügt ebenfalls über Kompetenzen in den Bereichen Elektronik, Sensorik, Führungs- und Kommunikationssysteme. Neben seinen Aktivitäten im Luft- und Raumfahrtsektor entwickelt das Unternehmen Technologien, die für die Vernetzung und Digitalisierung moderner Verteidigungssysteme relevant sind (Leonardo Annual Report 2025).
Im Geschäftsfeld Cyber & Security Solutions steigerte Leonardo seinen Umsatz im Jahr 2025 von 648 Millionen EUR auf 798 Millionen EUR, was einem Wachstum von 23,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragseingang von 840 Millionen EUR auf 1.02 Milliarden EUR und legte damit um 21,4 Prozent zu. Die Entwicklung deutet auf eine steigende Nachfrage nach Cybersecurity- und digitalen Sicherheitslösungen hin und unterstreicht die wachsende Bedeutung dieses Geschäftsbereichs innerhalb des Konzerns. Die zukünftige Entwicklung dieses Geschäftsbereichs hängt jedoch von verschiedenen wirtschaftlichen, technologischen und regulatorischen Faktoren ab (Leonardo Annual Report 2025).
Vernetzte Systeme prägen die Entwicklung
Ein weiterer Trend ist die zunehmende Vernetzung militärischer Plattformen. Fahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und unbemannte Systeme sollen Informationen möglichst nahtlos austauschen können. Dadurch entstehen komplexe digitale Ökosysteme, die leistungsfähige Software und robuste Kommunikationslösungen erfordern (Leonardo Annual Report 2025, Thales Consolidated Financial Statements 2025, 31.12.2025).
Die Entwicklung solcher Systeme ist jedoch mit hohen Investitionen verbunden. Zudem müssen die Lösungen regelmässig aktualisiert und an neue technologische Standards angepasst werden. Der langfristige Erfolg einzelner Anbieter ist daher nicht garantiert und hängt von verschiedenen Faktoren ab (Leonardo Annual Report 2025, Thales Consolidated Financial Statements 2025, 31.12.2025).
Eine weniger beachtete Ergänzung zu klassischen Rüstungswerten
Für Anleger kann das Segment Verteidigungssoftware eine interessante Ergänzung zu traditionellen Rüstungsunternehmen darstellen. Neben Herstellern von militärischer Ausrüstung könnten auch Anbieter von Datenanalyse, Sensorik, Kommunikationslösungen oder Cybersicherheit von steigenden Investitionen in digitale Verteidigungsfähigkeiten profitieren (NATO Defence Expenditure of NATO Countries (2014-2025)).
Gleichzeitig sollten die Besonderheiten des Sektors berücksichtigt werden. Viele Unternehmen sind in hohem Mass von staatlichen Aufträgen abhängig. Änderungen politischer Prioritäten, Budgetkürzungen oder regulatorische Vorgaben können sich auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Darüber hinaus können geopolitische Ereignisse sowohl positive als auch negative Effekte auf die Nachfrage haben (NATO Defence Expenditure of NATO Countries (2014-2025)).
Digitalisierung gewinnt im Verteidigungssektor an Bedeutung
Während klassische Rüstungsgüter häufig im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, gewinnt die technologische Infrastruktur hinter modernen Verteidigungssystemen zunehmend an Bedeutung. Unternehmen wie Palantir, Thales oder Leonardo sind Beispiele für Akteure, die in Bereichen wie Datenanalyse, Cybersicherheit, Kommunikation und Sensorik tätig sind. Ob sich daraus langfristig attraktive Geschäftsperspektiven ergeben, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab, darunter technologische Entwicklungen, regulatorische Rahmenbedingungen sowie staatliche Investitionsentscheidungen. Anleger sollten daher Chancen und Risiken gleichermassen berücksichtigen (NATO Defence Expenditure of NATO Countries (2014-2025)).