Glamour vor Zahlen: Paris Fashion Week 2026
Ende September verwandelt sich Paris für neun Tage in eine einzige grosse Bühne des Luxus. 101 Modehäuser zeigen ihre Kollektionen. Hinter den Kulissen tickt jedoch eine andere Uhr. LVMH, Kering und Hermès kämpfen um dieselbe Kundschaft, verfolgen dabei aber unterschiedliche Strategien. LVMH setzt auf die Stärke und Grösse seines Markenportfolios, Kering auf einen umfassenden Umbau und Hermès auf Knappheit und Exklusivität. Welches Unternehmen die Nase vorn hat, zeigt sich nicht nur auf dem Laufsteg, sondern auch in den Quartalszahlen.
Eine Bühne mit Geschichte
Die Geschichte der Pariser Modeschau reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Paul Poiret verband damals Mode mit gesellschaftlichen Ereignissen und veranstaltete aufwendige Bälle, bei denen er seine Entwürfe präsentierte. Zu den bekanntesten gehörte «The Thousand and Second Night» im Jahr 1911 (British Vogue, 27.09.2020). Eine zentrale Rolle spielte später Christian Dior, dessen Kollektion «Corolle» von 1947 als Auftakt des «New Look» gilt und Paris nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ins Zentrum der internationalen Mode rückte (British Vogue, 27.09.2020).
Mit dem Aufstieg des «Prêt-à-Porter» in den 1960er Jahren wuchs der Wunsch nach einem gemeinsamen Rahmen für die Präsentation der Kollektionen. 1973 entstand die Fédération Française de la Couture, die heutige Fédération de la Haute Couture et de la Mode (FHCM, o. D.). Die erste offizielle Paris Fashion Week folgte 1974 und wurde mit der «Battle of Versailles» verbunden, bei der fünf französische auf fünf amerikanische Designer trafen (British Vogue, 27.09.2020).
Seither hat sich Paris zu einem festen Zentrum des internationalen Modemonats entwickelt. Für die grossen Luxuskonzerne ist die Paris Fashion Week längst mehr als eine Bühne für neue Kollektionen: Sie ist ein Schaufenster für Marken, Kreativität und globale Präsenz.
Aktuelle Marktlage: Erste Zeichen der Erholung
Nach einer Analyse der Privatbank Edmond de Rothschild erzielte die Luxusbranche im zweiten Quartal 2026 ein Umsatzwachstum von 6 Prozent und übertraf damit die zuvor erwarteten 3,5 Prozent. Besonders stark entwickelte sich das Schmuckgeschäft (FuW, 24.08.2026). Auch bei den Margen fiel die Entwicklung besser aus als erwartet.
Als wichtigen Wachstumstreiber gilt der Konsum in den USA und China. Während in den USA die Nachfrage eng an die Entwicklung der Aktienmärkte gekoppelt bleibt, hätten sich die Belastungen durch die schwächelnde Nachfrage aus Fernost zuletzt jedoch abgeschwächt (FuW, 24.08.2026).
Die Erholung verläuft allerdings nicht über alle Kategorien hinweg gleich. Während Schmuck derzeit zu den stärkeren Bereichen zählt, entwickeln sich Lederwaren und Mode langsamer. Gerade diese Kategorien sind für LVMH, Kering und Hermès besonders relevant (FuW, 24.08.2026).
LVMH: Stabilität mit hoher Marge
Bei LVMH haben sich im Sommer 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung gezeigt. Neue Flagship Stores von Louis Vuitton in Peking und Seoul sowie das erste Design von Jonathan Anderson für Christian Dior sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit für die beiden Marken (LVMH, 27.07.2026). Beim Konzern entwickelte sich das Geschäft im zweiten Quartal ebenfalls besser als zu Jahresbeginn. Der ausgewiesene Umsatz sank im ersten Halbjahr währungsbedingt von 39.8 auf 38.6 Milliarden Euro. Organisch, also bereinigt um Wechselkurseffekte, stieg der Umsatz dagegen um 2 Prozent. Im zweiten Quartal erhöhte sich das organische Wachstum auf 3 Prozent (LVMH, 27.07.2026).
Auch die Profitabilität blieb robust. Die operative Marge lag bei 22,5 Prozent, während der Konzerngewinn mit 5.7 Milliarden Euro nahezu stabil blieb (FashionNetwork, 27.07.2026). Die breite Aufstellung des Konzerns über zahlreiche Marken und Geschäftsbereiche ermöglicht es dabei, schwächere Entwicklungen einzelner Kategorien teilweise abzufedern.
Mini Futures auf LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton SE
Kering: Erste Entspannung nach langer Talfahrt
Bei Kering nimmt die Sanierung seit dem Amtsantritt von Konzernchef Luca de Meo im September 2025 konkrete Formen an. Im ersten Halbjahr 2026 reduzierte der Konzern die Zahl seiner Filialen um 84 und trieb zugleich den Verkauf der Beautysparte an L'Oréal voran. Dadurch sank die Nettoverschuldung von 8.0 auf 3.3 Milliarden Euro (Reuters, 28.07.2026).
Auch operativ verbesserten sich die Zahlen. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz auf 3.65 Milliarden Euro. Ausgewiesen entsprach dies einem Wachstum von 1 Prozent, währungsbereinigt von 2 Prozent. Damit verzeichnete Kering erstmals seit drei Jahren wieder ein vergleichbares Umsatzwachstum. Gleichzeitig verbesserte sich die operative Marge auf 12,8 Prozent (Reuters, 28.07.2026; WWD, 28.07.2026).
Die Fortschritte spiegelten sich auch an der Börse wider. Die Kering Aktie stieg am 28. Juli um 16,9 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Tagesgewinn seit fast 24 Jahren (Reuters, 29.07.2026). Die Entwicklung zeigt, dass bei Kering derzeit weniger die Stärke des laufenden Geschäfts als die Folgen des eingeleiteten Umbaus im Vordergrund stehen. Der Konzern versucht, seine Bilanz zu entlasten, Kosten zu senken und die operative Entwicklung seiner Marken wieder zu stabilisieren.
Barrier Reverse Convertible auf Kering SA
Hermès: Solides Geschäft, hohe Erwartungen
Bei Hermès zeigt sich im Sommer 2026 ein deutlicher Unterschied zwischen der operativen Entwicklung und der Reaktion der Börse. Wie Retail Insight Network berichtet, stieg der Umsatz im ersten Halbjahr währungsbereinigt um 6,1 Prozent auf 8.16 Milliarden Euro. Die operative Marge lag bei 41,0 Prozent und damit weiterhin auf einem für die Branche aussergewöhnlich hohen Niveau (Retail Insight Network, 30.07.2026).
Trotz dieser soliden Geschäftszahlen verzeichnete die Aktie ihren schwächsten Handelstag seit mehr als 15 Jahren. Sie verlor 11 Prozent, während die Marktkapitalisierung um 19.7 Milliarden Euro sank (Reuters, 29.07.2026). Im Mittelpunkt standen dabei die Erwartungen an die weitere Entwicklung des Geschäfts. Konzernchef Axel Dumas sprach von einer Stabilisierung der Nachfrage in China, zugleich aber von einer weiterhin ausstehenden grundlegenden Erholung des wichtigen Marktes (Reuters, 29.07.2026). Damit steht Hermès vor einer anderen Ausgangslage als LVMH und Kering. Während bei LVMH die Stabilisierung des Geschäfts und bei Kering die Fortschritte der Sanierung im Vordergrund stehen, hängt die Bewertung von Hermès mehr von der Frage ab, wie lange das hohe Wachstum und die Profitabilität aufrechterhalten werden können.
Die drei Konzerne gehen damit mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die nächste Phase des Luxusmarktes. LVMH kann auf die Breite seines Markenportfolios und auf seine weiterhin Profitabilität setzen. Kering versucht, mit einem tiefgreifenden Umbau die Grundlage für neues Wachstum zu schaffen. Hermès wiederum profitiert von einer hohen Nachfrage und Margen, steht aber vor der Herausforderung, die hohen Erwartungen des Marktes zu erfüllen. Die Paris Fashion Week zeigt damit nicht nur, welche Marken im Rampenlicht stehen. Sie macht auch sichtbar, wie unterschiedlich die grossen Luxuskonzerne um dieselbe Kundschaft und um die Gunst der Investoren kämpfen.