Rohstoffe: aktiver Ansatz macht sich bezahlt
Die Rohstoffmärkte standen in den vergangenen Monaten im Bann der Geopolitik. Mit Blick nach vorne dürften die Fundamentaldaten in den Fokus rücken. Die Verantwortlichen des PP RM Dynamic Commodity Index machen sich ein genaues Bild von der Welt der Rohstoffe und setzen auf diese Weise eine regelbasierte und diversifizierte Strategie um – bis dato geht ihr Ansatz auf.
Die New York Cotton Exchange gilt als die Geburtsstätte des «Open Outcry». Ab 1870 handelten die Broker dort Terminkontrakte und Optionen auf Baumwolle, gefrorenes Orangensaftkonzentrat und Kartoffeln per Zuruf. In seiner ursprünglichen Form gibt es diesen Börsenplatz heute genauso wenig, wie das ohrenbetäubende Prozedere in einem mit Händlern gefüllten Saal. Würde der «Open Outcry» noch praktiziert, hätte 2026 für ein besonders lautes und vor allem hektisches Treiben gesorgt. Das gilt vor allem für den Energiebereich. «Die ersten sechs Monate des Jahres waren für die Ölmärkte eine wahre Herausforderung», berichtet Renato Mettler, Portfolio Manager im Commodities-Team der Vontobel Multi Asset Boutique. Als Ende Februar der Iran-Krieg ausbrach, verteuerte sich ein Fass der Nordseegattung Brent innerhalb von weniger als zwei Wochen um bis zu knapp drei Viertel. Anfang Mai erreicht der Future ein Vier-Jahres-Hoch von 126.41 US-Dollar, um dann bis zur Jahresmitte auf das Vorkriegsniveau zurückzufallen. «Was sich als die schwerste Angebotsunterbrechung am Ölmarkt der modernen Geschichte herausstellte, erwies sich letztlich für eine gewisse Zeit als überbrückbar», erklärt Mettler.
Fundamentaldaten im Fokus
Den Rohstoffmärkten als Ganzes bescheinigt er angesichts des auf und ab der Energieträger eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Das gilt umso mehr, da der US-Dollar eine unerwartete Stärke gezeigt hat. Für auf US-Dollar denominierte Vermögenswerte wie die «Commodities» bedeutet das traditionell einen Gegenwind. Gleichwohl notierte der marktbreite Bloomberg Commodity Total Return Index (BCOM) Ende Juli mehr als ein Fünftel über dem Schlusskurs 2025. Renato Mettler führt die Stärke vor allem auf das angespannte Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage zurück. «Mit Blick nach vorne dürften Lagerbestände, Produktionstrends, das Wetter und die Endnachfrage in den Vordergrund rücken», erwartet er. Knappe Vorräte sowie unflexibler gewordene Lieferketten machen viele Rohstoffmärkte anfällig für selbst geringfügige Störungen. «Die Fundamentaldaten stehen wieder im Rampenlicht und dürften in den kommenden Monaten der massgebliche Treiber der Rohstoff-Performance sein», bringt Mettler seine Einschätzung auf den Punkt.
Ein spezieller Ansatz
Carsten Stork sieht das ähnlich. Der Vollbluttrader und Börsenbriefautor kennt die Rohstoffmärkte aus dem Effeff. Vor 30 Jahren absolvierte er die Ausbildung zum Terminhändler. Heute bringt Stork seine Expertise in den PP RM Dynamic Commodity Index (DCX) ein. Zusammen mit seinen Kollegen von der Renditemanufaktur ist er im Auftrag von Indexsponsor PP-Asset-Management für die Verwaltung dieser Benchmark verantwortlich. Sein Team macht über fundamentale und charttechnische Analyseprozesse vielversprechende Anlagechancen im Rohstoffmarkt aus. Ein weiterer Unterschied gegenüber herkömmlichen Indizes ist, dass der DCX auch auf fallende
Notierungen setzen, also Short-Positionen aufbauen kann. Die Umsetzung der Strategie erfolgt mittels Strukturierter Produkte von Vontobel, dazu zählen sowohl Long- als auch Short-Varianten. Durch das kontinuierliche Market Making der Emittentin ist für eine ausreichend hohe Liquidität gesorgt. Der Anteil einer Position am DCX ist auf 15 Prozent begrenzt. Neben Rohstoffen kann der Index makroökonomische Themen bespielen und einen Cash-Anteil von bis zu 50 Prozent der gesamten Allokation aufbauen.
Ordentliche Zwischenbilanz
Bis dato geht der Ansatz auf. Vontobel hat im Dezember 2024 strategische Zertifikate auf den DCX emittiert. Heute notieren diese Produkte rund 60 Prozent über ihrem Startwert. Zum Vergleich: Der BCOM hat in dieser Zeit eine Wertsteigerung von 45 Prozent verzeichnet. Natürlich ist die Entwicklung in der Vergangenheit weder eine Indikation noch ein Garant für zukünftige Gewinne. Ausserdem ist die Strategie, gerade wegen der eingesetzten Hebelprodukte, Risiken ausgesetzt.
Gleichwohl ist Carsten Stork mehr denn je von dem Konzept überzeugt. «Seit dem Start hat sich an den Märkten vieles so entwickelt, wie wir es erwartet hatten», erklärt er. Durch den aktiven Ansatz sei es möglich gewesen, schnell auf Veränderungen im Umfeld zu reagieren. Auf diese Weise konnten die Verantwortlichen die Korrektur am Ölmarkt im zweiten Quartal 2026 rasch abfangen. Bei der Auswahl der Positionen kombiniert das Investmentteam mehrere Faktoren. Eine zentrale Rolle spielt die Komponente «Storyline». Die Experten machen hier signifikante Marktereignisse und globale Trends ausfindig, welche Einfluss auf die Rohstoffpreise nehmen können.
Folgenreiches Klimaphänomen
Gerade braut sich im Pazifik ein aussergewöhnlich starker El Niño zusammen. Das mit erhöhten Temperaturen des Oberflächenwassers einhergehende natürliche Klimaphänomen kann die Niederschläge weltweit beeinflussen. «Dadurch sind enorme Auswirkungen auf Getreide und Soft Commodities möglich», folgert Carsten Stork. Für den Kaffee und Zuckeranbau in Südamerika und Asien gelte das genauso, wie die Kakao-Ernten in Westafrika. Folgerichtig ist der DCX bei diesen und weiteren Agrarwaren auf der Long-Seite positioniert. Auf steigende Kurse setzt die Strategie auch im Edelmetallsegment. Per Ende Juli bildete ein auf Gold basieren der Long Mini-Future die grösste Einzelposition. «Nach der Korrektur der vergangenen Monate befindet sich das Edelmetall in einer interessanten Konsolidierungszone», erklärt Stork. Er kann sich ausserdem vorstellen, dass sich die geldpolitischen Erwartungen verschieben. Momentan gehen die Märkte davon aus, dass die US-Notenbank nach der Sommerpause die Zinsen erhöht. Stork verweist auf das duale Mandat der Fed. Neben der erhöhten Inflation müssen die US-Währungshüter den Arbeitsmarkt im Blick behalten. Zuletzt ist der Jobmotor ins Stottern geraten. Insofern kann sich der Experte vorstellen, dass die Notenbank über kurz oder lang die Zügel lockert – was für das zinslose Gold positiv wäre. Stork nennt ein weiteres Argument für das gelbe Metall: «Die Notenbanken kaufen so viel Gold wie nie zuvor». Schon in den vergangenen Jahren war der verstärkte Einsatz als Währungsreserve ein zentraler Treiber der Goldrallye.