SanDisk: Wenn ein Spin-off zum Star der KI-Rally wird
SanDisk stand lange im Schatten grösserer Tech-Werte. Das hat sich geändert: Was vor eineinhalb Jahren als unscheinbare Abspaltung von Western Digital begann, zählt heute zu den grössten Gewinnern des KI-Booms, wobei die Aktie gleichzeitig erheblichen Kursschwankungen unterlag. Der Grund dafür ist keine Modeerscheinung, sondern ein handfester Nachfrageschub: Je mehr Rechenzentren für Künstliche Intelligenz entstehen, desto grösser wird der Bedarf an Speicher. SanDisk sitzt mitten in diesem Trend. Doch mit dem Höhenflug wachsen auch die Erwartungen. Ob sich dieses Tempo halten lässt, ist offen.
Die KI braucht Speicher
Wenn von der KI-Rally die Rede ist, stehen meist Unternehmen wie Nvidia im Mittelpunkt. Doch leistungsfähige KI-Systeme benötigen nicht nur Rechenleistung, sondern auch grosse Mengen an Speicher und genau hier kommt SanDisk ins Spiel. Das Unternehmen ist auf Flash-Speicher spezialisiert, die unter anderem in schnellen Speicherlaufwerken für Rechenzentren zum Einsatz kommt.
Mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur steigt die Nachfrage nach solchen Speicherlösungen. Das zeigt sich bereits in den Geschäftszahlen. Laut Geschäftsbericht (SanDisk, 08.2026) erzielte SanDisk im Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von 20.25 Milliarden US-Dollar, nach 7.36 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Besonders stark entwickelte sich das Datacenter-Geschäft: Der Umsatz in diesem Bereich stieg um 437 Prozent, getrieben auch durch höhere Preise (SanDisk, 08.2026).
Vom Spin-off zum KI-Profiteur
Wie stark dieser Trend ausgerechnet SanDisk beflügelt hat, zeigt der eigene Kursverlauf. Nach der Abspaltung von Western Digital wurde SanDisk im Februar 2025 erstmals eigenständig an der Börse gehandelt. Eine Aktie kostete damals etwa 36 US-Dollar. Knapp ein Jahr später stand der Kurs bei rund 620 US-Dollar. Damit entwickelte sich SanDisk zeitweise deutlich stärker als Nvidia, einer der grössten Profiteure des KI-Booms (Handelsblatt, 01.2026).
Getragen wurde diese Entwicklung auch dadurch, dass sich SanDisk nach der Abspaltung erstmals unabhängig vom früheren Festplattengeschäft bewerten liess. Aus dem Teil eines diversifizierten Speicherunternehmens wurde ein eigenständiger Flash-Speicherhersteller, der direkt vom wachsenden Bedarf der KI-Infrastruktur profitieren kann.
Doch damit sich diese Neubewertung langfristig rechtfertigen lässt, muss SanDisk zeigen, dass der aktuelle Aufschwung mehr ist als ein kurzfristiger Nachfragezyklus. Das Unternehmen versucht deshalb, einen Teil des künftigen Geschäfts bereits heute abzusichern.
SanDisk sichert das Wachstum ab
Langfristige Lieferverträge sollen das Geschäft planbarer machen. Laut Reuters (Reuters, 08.2026) verfügte das Unternehmen Anfang August über Vereinbarungen mit sechs Kunden im Gesamtwert von 93.9 Milliarden US-Dollar. Bis zum Geschäftsjahr 2028 sollen rund zwei Drittel der Produktion über solche Verträge abgesichert sein (Reuters, 08.2026).
Auch die längerfristigen Ziele sind ambitioniert. Für die Jahre 2028 bis 2030 stellt SanDisk ein jährliches Umsatzwachstum im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich sowie eine bereinigte Bruttomarge von rund 80 Prozent in Aussicht (SanDisk, 08.2026). Hierbei handelt es sich um Unternehmensziele und nicht um garantierte Entwicklungen. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich von den Prognosen abweichen. Damit könnte sich das Geschäftsmodell von einem klassischen, stark schwankenden Speicherzyklus lösen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Nachfrage hoch bleibt und SanDisk seine Preise durchsetzen kann.
Risiken bleiben
Je höher die Erwartungen an SanDisk steigen, desto grösser wird auch das Risiko einer Enttäuschung. Die starke Kursentwicklung hat bereits professionelle Investoren angezogen. Der Hedgefond «Situational Awareness» von Leopold Aschenbrenner baute im zweiten Quartal 2026 Positionen von rund 5 Milliarden US-Dollar in SanDisk und Micron auf. Zusammen machten die beiden Positionen mehr als die Hälfte des damaligen Portfolios von 20.2 Milliarden US-Dollar aus. Die hohe Konzentration zeigt, wie stark der Fonds auf die weitere Entwicklung des Speichersegments setzte, und machte das Portfolio gleichzeitig besonders anfällig für Kursbewegungen (FuW, 08.2026).
Wie schnell sich die Stimmung drehen kann, zeigte die Aktie von SanDisk im Sommer: Vom Rekordhoch bei 2354.39 US-Dollar am 22. Juni fiel der Kurs bis zum 29. Juli auf rund 1015.89 US-Dollar. Das entspricht einem Einbruch von rund 57 Prozent innerhalb von fünf Wochen (TradingKey, 08.2026). Auslöser war unter anderem der Börsengang des chinesischen Speicherherstellers ChangXin Memory Technologies, der Sorgen vor wachsender Konkurrenz aus China schürte.
Die Episode zeigt ein grundlegendes Risiko: Selbst starkes Gewinnwachstum schützt nicht vor Kursverlusten, wenn die Messlatte schneller steigt als das Geschäft. Auch das eigentliche Geschäft bleibt zyklisch: Sollte das Angebot an Speicherchips schneller wachsen als der Bedarf, könnten Preise und Margen wieder unter Druck geraten. Für SanDisk entscheidet sich damit, ob aus dem aktuellen Boom ein nachhaltig profitables Geschäft wird oder ob der Speicherzyklus die hohen Erwartungen irgendwann wieder einholt.