BRCs neu gedacht: ETFs als Basiswert
Kaum eine Finanzinnovation der jüngeren Zeit hat das Anlageuniversum so bereichert wie der Exchange Traded Fund (ETF). Billionen von Dollar sind weltweit in ETFs investiert, Privatanleger wie institutionelle Investoren schätzen sie gleichermassen für ihre Transparenz, Liquidität und Vielseitigkeit. Jüngst hat die ETF-Welt auch digitale Assets erfasst: Krypto-ETFs auf Bitcoin, Ethereum und Solana bringen die Welt der Blockchain in ein neues Gewand. Nun macht auch Vontobel ETFs als Basiswerte für BRCs nutzbar und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten zur Renditegenerierung.
Warum ETFs?
Der Markt für Barrier Reverse Convertibles (BRCs) profitiert von der Vielfalt der Basiswerte, und genau hier setzt die Erweiterung an. Wer bei Vontobel bisher ein BRC auf einen breiten Markt erwerben wollte, war auf grosse Indizes wie beispielsweise den SMI®, Euro Stoxx 50® oder den S&P 500® angewiesen. Spezifischere Engagements, etwa auf einen einzelnen Sektor, eine Region jenseits der Standardindizes oder ein klar definiertes Anlagethema, liessen sich nur über Einzelaktien abbilden, was mit spezifischen Unternehmensrisiken verbunden sein kann.
ETFs (dt. börsengehandelte Fonds) schliessen diese Lücke. Sie bündeln eine Vielzahl von Titeln in einem einzigen, börsengehandelten Instrument und stehen heute für nahezu jeden denkbaren Bereich zur Verfügung: Technologie, Kryptowährungen, Nachhaltigkeit, Schwellenländer, Dividendentitel, Small Caps oder breit gestreute Welt-ETFs. Indem Vontobel neu ETFs als Basiswerte für BRCs nutzbar macht, wird diese Vielfalt in die Welt der Renditeoptimierung übertragen.
Mit Krypto-ETFs durchstarten
Die Verbindung von BRCs und ETFs eröffnet neue Möglichkeiten: Mit drei Krypto-ETFs steht BRC-Anlegern nun ein modernes Investment-Thema zur Verfügung.
Der iShares Bitcoin Trust ETF (IBIT) von BlackRock hält physisch Bitcoin und bildet dessen Kursentwicklung direkt ab. Seit seiner Zulassung Anfang 2024 zählt IBIT gemessen an den Nettozuflüssen zu BlackRocks beliebtesten ETFs (Yahoo Finance, 23.12.2025). Er bietet institutionellen wie privaten Anlegern einen regulierten, börsenkotierten Weg, an der Preisentwicklung der grössten Kryptowährung zu partizipieren, ohne Bitcoin selbst verwahren zu müssen.
Der iShares Ethereum Trust ETF (ETHA), ebenfalls von BlackRock, verfolgt das gleiche Prinzip für Ether, die native Währung des Ethereum-Netzwerks. Er zählt zu den grössten Spot-Ethereum-ETFs auf dem US-Markt und ermöglicht Anlegern den Zugang zur Ethereum-Kursentwicklung, ohne Ether selbst verwahren zu müssen. Somit entfallen operative Hürden und die Komplexität der Verwahrung, die mit dem direkten Halten von Ether verbunden sind.
Eine Besonderheit stellt der Bitwise Solana Staking ETF (BSOL) dar. Neben dem primären Ziel, die Kursentwicklung von Solana abzubilden, verfolgt der ETF ein sekundäres Ziel: Durch das Staking sollen zusätzliche Token als Erträge generiert werden. Staking bezeichnet in diesem Kontext die aktive Teilnahme am Konsensmechanismus des Solana-Netzwerks, für die Validatoren mit Netzwerkgebühren entlohnt werden. BSOL bietet damit eine zusätzliche Renditekomponente.
Zusätzliche Risikohinweise bei Krypto-ETFs
Krypto-ETFs weisen gegenüber klassischen Aktien- oder Index-ETFs ein deutlich erhöhtes Volatilitätsprofil auf. Die Preisbewegungen von Bitcoin, Ethereum und Solana können in kurzen Zeiträumen erheblich ausfallen, was das Risiko einer Barriereberührung im Vergleich zu anderen Basiswerten entsprechend erhöht. Darüber hinaus unterliegen digitale Assets spezifischen Risiken wie regulatorischen Änderungen sowie technologischen Risiken der zugrundeliegenden Netzwerke.
Um diesem erhöhten Risiko Rechnung zu tragen können Multi Barrier Reverse Convertibles beispielsweise auch mit Europäischer Barrierebeobachtung lanciert werden. Bei diesem Barrieretyp wird ausschliesslich am Laufzeitende geprüft, ob eine Barriereberührung vorliegt.
MBRC auf Bitwise Solana Staking ETF, iShares Bitcoin Trust ETF, iShares Ethereum Trust ETF
Diversifikation als Vorteil
Ein wichtiger Vorteil von ETFs liegt im Risikoprofil. Einzelaktien können je nach Titel hohe Volatilitäten aufweisen, breit gestreute ETFs liegen typischerweise spürbar darunter. Die tiefere Volatilität kann unter bestimmten Marktbedingungen, je nach Höhe der Barriere und Wahl des ETFs, dazu beitragen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Barriereberührung sinkt, stellt jedoch keine Garantie für eine geringere Barriereverletzung dar. So können Anleger das unternehmensspezifische Risiko reduzieren. Statt mehrere einzelne Aktien aus einer Branche zu einem Korb zu bündeln, kann einem Sektor-ETF eine Vielzahl an Unternehmen zugrunde liegen. Für Anleger ergibt sich dadurch eine Lösung, die attraktive Coupons bieten kann, wobei das Risiko weiterhin massgeblich von der Marktentwicklung abhängt.
Für Anleger eröffnen sich damit neue Wege, mit Barrier Reverse Convertibles das eigene Portfolio zu ergänzen. Wer eine seitwärts gerichtete Markteinschätzung für einzelne Sektoren hat, kann diese Meinung künftig direkt über einen BRC auf die entsprechenden Sektor-ETFs ausdrücken, ohne sich für einzelne Unternehmen entscheiden zu müssen. Auch thematische Überzeugungen lassen sich in eine BRC-Struktur übersetzen.
Risiken im Blick behalten
BRCs auf ETFs tragen dieselben Risiken wie BRCs auf andere Basiswerte. Die Rückzahlung des Nominals hängt je nach Produktstruktur davon ab, ob der relevante Basiswerte beziehungsweise – bei entsprechenden Strukturen – der Basiswert mit der schlechtesten Entwicklung die Barriere während der Laufzeit die Barriere berührt oder unterschreitet und wie dieser im Verhältnis zum Ausübungspreis am Laufzeitende notiert. Ist dies nicht der Fall, erfolgt ein barausgleich des Endwerts des ETFs mit der schlechtesten Wertentwicklung per Schlussfixierung. Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.
Darüber hinaus sollten Anleger das Emittentenrisiko nicht ausser Acht lassen. Die Rückzahlung des investierten Betrags sowie allfälliger Coupons hängt von der Bonität des Emittenten ab. Sollte dieser zahlungsunfähig werden, können Anleger Verluste erleiden, unabhängig von der Entwicklung des Basiswerts.
Schliesslich ist zu beachten, dass BRCs während der Sekundärmarktphase unter ihrem theoretischen Wert gehandelt werden können, insbesondere in Phasen erhöhter Marktvolatilität. Ein vorzeitiger Verkauf könnte daher zu Verlusten führen, selbst wenn die Barriere nicht berührt wurde.