Die Erde ist nicht genug – Weltraum-KI im Datenorbit
Der jüngste SpaceX-Börsengang hat an der Wall Street ein regelrechtes Raumfahrtfieber entfacht. Doch wer glaubt, das grosse Geld werde künftig ausschliesslich mit spektakulären Raketenstarts verdient, erliegt einer Illusion. Die Trägerrakete ist in der stetig wachsenden «Satellite Space Economy» lediglich der Lieferwagen. Der wahre Schatz liegt auf der Ladefläche: Es sind die Daten. Mit dem globalen KI-Boom verschiebt sich die Wertschöpfung rasant ins All. Es entsteht ein hochprofitabler Lebenszyklus des «Space Data Dollar», der sich unterteilt in: Built, Powered, Beamed und Monetized. Für Anleger eröffnen sich hierdurch ein völlig neues Alpha-Universum, das weit über die klassische Raumfahrt hinausgeht.
Der Engpass auf der Erde und die Lösung im Orbit
Terrestrische Rechenzentren stossen weltweit an harte physikalische Grenzen. Landknappheit, ein enormer Wasserverbrauch zur Kühlung und völlig überlastete Stromnetze bremsen die Künstliche Intelligenz zunehmend aus. Die Visionäre des Silicon Valley setzen daher immer stärker auf «Orbital Computer». Indem man KI-Inferenz direkt an den «Ultimate Edge» – in den Erdorbit – verlagert, umgeht man die Infrastruktur-Engpässe der Erde elegant. Im All locken unerschöpfliche Solarenergie und die extreme Kälte des Vakuums. Zwar bleibt die Wärmeabfuhr mangels Konvektion eine harte technologische Nuss, doch das ökonomische Potenzial ist schlichtweg zu gewaltig, um es zu ignorieren.
SpaceXAI und der Aufstieg der Neoclouds
Ein Paradebeispiel für diesen massiven Wandel ist SpaceX. Nach der im Februar vollzogenen Fusion mit xAI tritt das Unternehmen nun als «SpaceXAI» auf und hat sich zur sogenannten «Neocloud» gewandelt. Statt primär eigene KI-Modelle wie Grok zu trainieren, vermietet SpaceXAI nun gigantische Rechenkapazitäten für Milliardenbeträge an Branchenriesen wie Google und Anthropic. Um dem irdischen Ressourcenmangel komplett zu entfliehen, kündigte Elon Musk kürzlich die «Starmind»-Konstellation an – orbitale Rechenzentren, deren erste Satelliten voraussichtlich 2028 starten sollen. Wer wie SpaceXAI beide Seiten der Medaille kontrolliert – den kostengünstigen Transport und die KI-Infrastruktur –, besitzt einen starken strategischen Vorteil.
Big Tech zieht nach: Googles Project Suncatcher
Doch auch Alphabet ist strategisch hervorragend positioniert. Eine frühe Investition aus dem Jahr 2015 beschert dem Konzern nach dem SpaceX-IPO nun einen Anteil, der auf rund 100 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Google profitiert also bereits massiv von der Vision, künftig abertausende Rechenzentrums-Satelliten ins All zu bringen. Unter dem Namen «Project Suncatcher» treibt man zudem eine eigene Moonshot-Initiative voran. Geplant sind kleine, solarbetriebene Satellitenkonstellationen im sonnensynchronen Orbit, ausgestattet mit eigenen KI-Beschleunigern (TPUs) und vernetzt per High-Speed-Laser-Richtfunk. Bereits Anfang 2027 sollen erste Prototypen starten, um Hitzeregulierung und Strahlungsresistenz zu testen.
Wo die Margen fliessen: Das Ökosystem der Daten
Für Investoren ist letztlich entscheidend, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette die höchsten Margen erzielt werden. Indizes wie der neu von mir konzipierte Vontobel Next-Gen Satellite Space Economy Index zeigen uns den Weg: Weg von den reinen Trägersystemen, hin zu den profitablen Wertschöpfungsstufen. Dieses aufstrebende Ökosystem teilt sich auf in:
- Die Zulieferer: Techgiganten wie Nvidia oder Spezialisten wie Murata Manufacturing liefern essenzielle KI-Chips und strahlungsresistente Komponenten für den extremen Einsatz im All.
- Die Betreiber: Unternehmen wie Iridium oder SpaceXAI verarbeiten gigantische Datenmengen im Orbit und beamen sie per Laser-Links nahezu in Echtzeit zur Erde.
- Die Monetarisierer: Das ist das margenstärkste Segment. Konzern-Schwergewichte wie Deere & Co. (Präzisionslandwirtschaft) oder Palantir (Verteidigungsanalytik) nutzen die aufbereiteten Satellitendaten und generieren daraus signifikante und markenstarke Datenumsätze.
Marktdynamik und Anlagemöglichkeiten
Wie können nun Privatanleger vom Boom der KI-Satelliten-Space Economy profitieren? Häufig sind neue wachstumsstarke Megamärkte nur professionellen Anlegern zugänglich. Anleger können nun seit Juni 2026 über den vom Autor dieser Kolumne geschaffenen Vontobel NextGen Satellite Space Economy Index in die gesamte Wertschöpfungskette der künstlichen Intelligenz investieren. Dieser Index bildet ein Universum von rund 100 liquiden Aktien ab, die systematisch die fünf entscheidenden Wertschöpfungsebenen der Weltraum-Datenökonomie abdecken. Aus diesem Universum werden anschliessend 20 Unternehmen selektiert.
Die dargestellten Einschätzungen enthalten zukunftsgerichtete Aussagen, deren Eintritt nicht garantiert werden kann. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen. Bei Tracker Zertifikaten besteht das Risiko von Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.